Immer in der Hoffnung auf eine Rückkehr in ihre Stadt oder in ihr Dorf

 

Einfach nur froh in Sicherheit zu sein

Immer in der Hoffnung auf eine Rückkehr in ihre Stadt oder in ihr Dorf

48.000 Menschen – darunter 3.000 aus ‘unserem Dorf‘ Pétessiro – mussten ihre Stadt Thiou (ca. 35 km vor der Grenze zum Nachbarstaat Mali) verlassen. Untergekommen sind sie in der 40 km entfernten Stadt Ouahigouya (fünftgrößte Stadt in Burkina Faso) bei Anverwandten, in UN-Zelten vor den Toren der Stadt oder in zur Verfügung gestellten freien Räumen einer Krankenstation.

Der seit Ende Januar regierende Millitär-Präsident will die im Norden des Landes gelegenen und immer wieder von Terroristen angegriffenen Dörfer und Städte ‘säubern‘. Das heißt, dass die Zivilbevölkerung ins Landesinnere fliehen muss, um dann Soldaten in die betroffenen Regionen zu schicken, die die Terroristen vertreiben oder morden sollen. Leider hören wir auch immer wieder, dass viele burkinische Soldaten oder Gendarme dabei ihr Leben verlieren. Und wie lange diese ‘Säuberungsaktionen‘ dauern werden, steht momentan wohl in den Sternen.

Fakt ist, die Menschen sind mit dem wenigen, was sie am Körper tragen konnten, die vielen Kilometer nach Ouahigouya zu Fuß oder per Fahrrad/Moped geflohen. Unter ihnen viele kleine Kinder. Insgesamt sind in Burkina Faso zurzeit 1,8 Millionen Menschen innerhalb ihres Landes auf der Flucht, zwei Drittel davon sind Kinder.

Die Menschen von Pétessiro liegen uns besonders am Herzen. Es ist das Dorf, das wir neben dem Schulkomplex Wend Raabo am Rande der Hauptstadt Ouagadougou seit Beginn unserer Wunschträume-Arbeit unterstützen. Und die Dorfbevölkerung hat von Anfang an ihren Teil, den sie leisten konnte, beigesteuert.

Mit einer ersten Nothilfe von 5.000 Euro konnten unsere Projektleiter Mamoudou Savadogo und Boureima Savadogo (Savadogo ist in Burkina Faso ein Familienname wie bei uns Müller, Meier oder Schulze) das am dringensten Benötigte wie Mais, Reis, Öl, Wasser sowie Matten, Decken, Seife kaufen und verteilen.

Mit einer weiteren Nothifle von 4.700 Euro hilft Wunschträume/Netzwerk für Mädchen- & Frauenprojekte e.V. fünf Frauengruppen mit insgesamt 42 Frauen zum Lebensunterhalt ihrer Familien beizutragen.

Die Frauen sind in unterschiedlichen Stadtbezirken untergekommen. Drei Gruppen (je 9, 7 und 5 Frauen) verarbeiten Gemüse (z.B. Trocknen von Tomaten) und verkaufen die Produkte auf den jeweiligen Märkten. Zwölf Frauen haben sich in einer Gruppe zum Nähen zusammengetan und neun Frauen haben sich für die Seifenproduktion entschieden. Von dem Geld werden Gerätschaften – u.a. zwei Nähmaschinen, ein Zuschneide-Tisch, ein Trockengerät und zwei Seifenrührgeräte sowie jegliches Material und Gemüse gekauft.

Die Männer versuchen als sogenannte ‘Daily Worker‘ täglich etwas zu verdienen. Landwirtschaft direkt in der Nähe der Stadt gibt es nicht. Vor allem fehlt es aber auch an Wasser. Die Tagestemperaturen betragen zurzeit täglich um die 38°. Bis Ende Mai wird es täglich heißer und schwüler.

Einige Kinder und Jugendliche wurden verteilt auf die Schulen in der Stadt. Damit sie dort an der täglichen Schulspeisung teilnehmen und sich Schulmaterial beschaffen können, haben wir über unseren Projektleiter Sidiki Belem eine Nothilfe in Höhe von 2.000 Euro geleistet. Er steht mit Lehrer*innen der Region in Kontakt und kümmert sich um die Verteilung.

Ein Großteil Jugendlicher ist aber auch traumatiersiert und verzichtet auf das letzte Drittel des laufenden Schuljahres. Sie versuchen erstmal anzukommen, helfen den Eltern und kümmern sich um die jüngsten Geschwister. Sobald als möglich wollen sie dann mit der Vorbereitung für das neue Schuljahr beginnen und sich wieder einschreiben.

Was alle diese geflüchteten Menschen eint, ist der gemeinsame Wunsch und die große Hoffnung, sobald als möglich in ihr Dorf beziehungsweise die 40 Jugendlichen in ihr Wohnheim in Thiou, zurückkehren zu können.

Wann das sein wird? Das kann im Moment niemand vorhersehen, und vermutlich wird auch noch weitere Hilfe vonnöten sein.

Ich persönlich bin mehr als dankbar, dass wir in Burkina Faso so zuverlässige Projektpartner vor Ort haben, die uns ständig aktuell informieren, Fotos zukommen lassen, sowie ordentliche Kostenvoranschläge beziehungsweise Endabrechnungen. Sie arbeiten im übrigen alle genauso ehrenamtlich wie unser Wunschträume-Team hier in Deutschland.

Aus den anderen Projekten Burkina Fasos – Schulkomplex Wend Raabo, dem ‘Garten der Hoffnung‘, den Frauengruppen aus Youba und Sananga – gibt es ‘Gott sei Dank‘ nur Positives zu berichten. Dort laufen alle Aktivitäten dank der regelmäßigen Unterstützung so vieler treuer Einzelspenderinnen und -spender sehr gut weiter und erfolgreich weiter.

Projektleiter bei der Verteilung

Keineswegs selbstverständlich erachten die Menschen aus Pétessiro die Hilfe. Sie sind unendlich dankbar für die in ihren Augen unendlich großzügige Unterstützung, wissen sie doch, dass in Europa gerade ein furchtbarer Krieg in der Ukraine herrscht und dementsprechend viele Spenden für den Wiederaufbau eines ganzen Landes vonnöten sind.

Burkina Faso bedeutet ins Deutsche übersetzt: ‘Land der Aufrichtigen‘, und als solche aufrichtigen Menschen habe ich sie auf all meinen Reisen erlebt. Darum werde ich auch nicht müde werden, mich immer wieder für sie einzusetzen und zu helfen, wenn es nötig wird.

Kathrin Seyfahrt

31. März 2022

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