Reise 2013 Pétessiro

Pétessiro – ein Dorf im Wandel

Als “Paris von Burkina Faso“ bezeichnen die Einwohner Pétessiros inzwischen liebevoll ihr Dorf. Jenes Dorf im Norden des westafrikanischen Landes, das Wunschträume/Netzwerk für Mädchen- & Frauenprojekte e.V. seit März 2006 unterstützt.

Aufgrund des Krieges im Nachbarland Mali konnte ich Pétessiro auf meiner Reise im Januar 2013 leider nicht besuchen. Aber kurz entschlossen entsandte das 3000 Seelen-Dorf seinen Krankenpfleger Abdou Quedraogo, sowie eine zwölfköpfige  Delegation  (4 Frauen und 8 Männer) in die Hauptstadt Ouagadougou, um vom Fortgang der Projekte und der Weiterentwicklung in Pétessiro, sowie seinen angrenzenden Dörfern zu berichten.

Da ist zunächst die Kranken- und Sozialstation, kurz CSPS genannt, die nun nahezu voll funktionsfähig ist. Ab Mitte/Ende Februar können auch Entbindungen stattfinden.

Alle vor- und nachgeburtlichen Untersuchungen werden bereits seit ein paar Monaten in der  ‘Maternité‘, der Mutter-Kind-Station, durchgeführt.

Die kleine ‘Pharmacie‘, vor einem Jahr vom Medikamentenhilfswerk Action medeor mit einem Grundstock ausgestattet, wird dankbar angenommen. Einige wenige zahlen bislang kleine Cent-Beträge, vielfach werden die Medikamente kostenlos abgegeben. Künftig sollen grundsätzliche kleine Beträge verlangt werden, denn durch die Einnahmen können Tabletten, Verbandsmaterial und was sonst benötigt wird, immer wieder aufgestockt werden.

Krankenpfleger Abdou Quedraogo wird eine Liste der am dringlichsten benötigten Medikamente zusammenstellen. Mittel gegen Malaria dürften dabei an erster Stelle stehen. Außerdem werden Aufbaunahrung für Babys und Moskitonetze benötigt. Bislang schläft kaum eine Familie in ihrer Hütte unter einem Netz. Es wäre eine gute Maßnahme der gefürchteten Malaria vorzubeugen, an der Jahr für Jahr immer wieder Menschen sterben. Die Bewohner Pétessiros wären bereit einen kleinen Eigenanteil zu übernehmen.

So käme über die Moskitonetze – wie schon bei den Solarlampen – ein weiterer kleiner Zugewinn in die Dorfkasse. Auf die Art und Weise können in absehbarer Zeit anfallende Reparaturarbeiten und/oder kleine Anschaffungen, zum Beispiel für Krankenstation oder Schule, selbst finanziert werden.

Für die ‘Dorfkasse‘ ist bereits ein Bankkonto in der 10 Kilometer entfernten Stadt Thiou eingerichtet worden.

Um die Möglichkeiten der Arbeit mit und der Behandlung von behinderten Menschen kennenzulernen, wurde ein Kontakt zur österreichischen Organisation ‘Light for the World‘ (LFTW) hergestellt, die sich ähnlich der deutschen Christoffel Blindenmission schwerpunktmäßig um behinderte und damit häufig ausgestoßene Menschen kümmert.

Projektleiter Mamoudou Sawadogo hat bereits ein erstes Treffen mit dem Landesvertreter, Monsieur Elie Bagbila, gehabt, und schilderte seinen ersten Eindruck in einer Mail wie folgt: ‘Dieser Kontakt wird ein weiterer Schritt in ein neues Leben für Pétessiro sein ‘.

Die Animateure und Animatricen berichteten, dass im zurück liegenden Jahr  ihrem Wissen nach kein Mädchen in Pétessiro beschnitten wurde. Das ist sicher noch keine Garantie, dass diese schädliche Tradition endgültig vorbei ist, aber ein sehr schöner Erfolg.

Die Animateure und Animatricen sollen eine weitere Fortbildung im April bekommen. Neben der Aufklärung gegen Beschneidung, klären sie allgemein über Hygiene und Gesundheitsfragen auf, sie sprechen über Familienplanung, kämpfen gegen Zwangsverheiratung. Sie kümmern sich um die Sauberkeit, Reinigung und den Erhalt der Kranken- und Sozialstation und unterstützen den Krankenpfleger sowie bald auch die Hebamme.

Von den seit Oktober 2012 in Pétessiro befindlichen 1.000 Solarlampen sind Anfang 2013 rund zwei Drittel im Einsatz. Weil mit Einbruch der Dunkelheit nun in den meisten Hütten die Lichter angehen, berichtet eine der anwesenden Frauen, käme ihr Pétessiro jetzt wie ein ‘Leuchtturm‘ vor. Und einer der Bauern berichtet, dass er am Abend noch 1 bis 1 ½ Stunden sein Erdnussfeld beleuchtet und er so schneller mit der Ernte vorankäme.

Aus den direkt benachbarten Dörfern kommen bereits Leute und fragen, ob sie auch eine Lampe anmieten können. Wir stimmen zu, wenn die Verwaltung im Dorf Pétessiro bleibt.

Die Bevölkerung wünscht sich den Bau weiterer Klassenräume. Hier soll ein Kostenvoranschlag für das Baumaterial vorgelegt werden. Zement, Sand….. kann zur Verfügung gestellt werden, bauen müssen die Menschen selbst, und sie sind bereit dazu.

Es bedarf noch dringender Aufklärungsarbeit bei vielen Eltern, dass es z.B. wichtig ist, ihre Kinder in die Schule zu schicken, anstatt in die nahegelegenen Goldmienen. Eltern müssen begreifen, dass Bildung wichtig ist – auch für Mädchen.

So sind es gerade die vielen Frauen, die weder lesen noch schreiben können, die nachträglich lernen wollen.

Lehrer Leopold Bonkougou stellt  ‘sein‘ Alphabetisierungsprogramm der Delegation aus Pétessiro vor. Eine Frau meldet sich sofort, dass sie teilnehmen und des Weiteren dann auch eine Lehrerin dieses Programmes werden wolle.

Einen für das Programm benötigten Laptop und Beamer wird Wunschträume/

Netzwerk für Mädchen- & Frauenprojekte e.V. zur Verfügung stellen.

Bis die Frauen ihr eigenes gewünschtes kleines Ausbildungszentrum haben, wird das Büro unseres Partners vor Ort, ADSEP, seinen Raum zur Verfügung stellen.

Im Hinblick auf eine landwirtschaftliche Entwicklung in Pétessiro wurde auf die Arbeit von Terra Verde e.V. von Melchior Landolt und dem burkinischen Partnerverein ALCD  (für nähere Informationen bitte siehe www.terra-verde.de)  hingewiesen. Projektleiter Mamoudou Sawadogo wird ein Projektgebiet gemeinsam mit drei bis vier Bauern aus Pétessiro besuchen und sich informieren, ob etwas ähnliches für das Dorf infrage kommen könnte.

Die Männer und Frauen, die aus Pétessiro zu uns gekommen sind, waren dankbar über die vielen Informationen. Sie wollen nach ihrer Rückkehr den Menschen berichten.

Die Bevölkerung sei glücklich über den Wandel in Pétessiro. Sie wollen ihn in den nächsten Jahren weiter vorantreiben.

Dazu wird das Dorf auch künftig Unterstützung benötigen, doch mehr und mehr werden die Menschen selbst für ihre Zukunft beitragen können. Das erfülle sie spürbar mit Stolz, und schon heute würden sie gern Gelerntes an ihre Nachbardörfer weiter geben.

Wunschträume/Netzwerk für Mädchen- & Frauenprojekte e.V. will die Menschen von Pétessiro weiterhin fördern.

Ein Ausbildungszentrum für Frauen (ähnlich dem in Youba), der Ausbau der Dorfschule, eine landwirtschaftliche Ausbildung, sowie weitere Fortbildungen für die Gesundheitsberater und  -beraterinnen  heißen die  ‘Wunschträume‘ der Dorfbewohner. Sie zu erfüllen, sind wir auf Ihre und jede Hilfe angewiesen.

Helfen Sie uns, damit wir gemeinsam als „Viele kleine Leute, an vielen kleinen Orten, die viele kleine Dinge tun……“ das Gesicht der Welt verändern können.

Kathrin Seyfahrt