Seit 20 Jahren Hilfe für Burkina Faso

Gegen Terrorismus und Armut

Hilfe seit 20 Jahren: Was die Cuxhavenerin Kathrin Seyfahrt in Burkina Faso bewirkt

von Maren Reese-Winne | 07.02.2023

Wasser, Essen, Schule – so elementar sehen die Wunschträume vieler Frauen in Afrika aus. Die in Cuxhaven wohnende Kathrin Seyfahrt hilft seit 20 Jahren, möglichst vielen von ihnen diese Träume zu erfüllen und ihnen Chancen für die Zukunft zu geben.

Kathrin Seyfahrt kennt es schon, dass sie in einem Stadtteil am Rande der Hauptstadt Ouagadougou von einer Gruppe Kinder mit der deutschen Nationalhymne begrüßt wird – unlängst konnte es nun auch der deutsche Botschafter in Burkina Faso, Dr. Andreas Pfaffernoschke, erleben. Denn es gab etwas zu feiern: 20 Jahre “Wunschträume / Netzwerk für Mädchen- & Frauenprojekte e.V.” und 20 Jahre Zusammenarbeit mit dem Wend Raabo-Schulkomplex und dessen Projektleiter Sidiki Belem. Ihnen und den weiteren Gästen wurde danach ein buntes Tanz- und Musikprogramm geboten – inklusive eines Raps auf “Mme Kathrin”, den ein ehemaliger Schüler in einem T-Shirt mit ihrem Konterfei sang.

Die Feier am 11. Januar ließen sich die burkinische Presse und mehrere Fernsehsender nicht entgehen. Was “Madame Kathrin Seyfahrt” mit Spenden nicht nur hier aufgebaut hat, ist nicht unbemerkt geblieben in einem Land, das von Terrorismus, Armut und Krankheiten, neben denen Corona verblasst, gebeutelt und beileibe kein leicht zu bereisendes Land ist.

Rückkehr nach einer langen Pause

Nach mehreren Verschiebungen und als Krönung auch noch dem Verlust ihres Reisepasses, der auf dem Weg zur Botschaft, wo das Visum eingetragen werden sollte, gestohlen wurde, konnte Kathrin Seyfahrt vor wenigen Wochen endlich wieder die Reise antreten. So eine lange Pause hatte es nicht gegeben, seit sie vor 20 Jahren – damals noch in München – den Verein gegründet und sich für Burkina Faso als Haupteinsatzgebiet entschieden hatte.

Quasi als Schülerin des berühmten Schauspielers Karlheinz Böhm, der mit seiner Hilfsorganisation “Menschen für Menschen” das Bewusstsein für die Not in Afrika in die breite Öffentlichkeit gelenkt hatte. Kathrin Seyfahrt, die ihn mehrfach in Äthiopien besuchte und dort mitarbeitete, erinnert sich noch an seinen Satz “Und jetzt zeig ich Dir noch mal, wie unsere Projekte entstehen.” Den Menschen nichts überzustülpen, sondern ihnen nur das Rüstzeug an die Hand zu geben, ist bis heute das Anliegen der in Hamburg geborenen heutigen Cuxhavenerin. “Die Menschen fühlen sich ernst- und wahrgenommen, es werden ihre Projekte.”

So wie die Wend Raabo-Schule, die seit dem ersten Besuch Kathrin Seyfahrts von 300 auf rund 1000 Plätze gewachsen ist. Die kleine Grundschule für Erst- bis Sechstklässler mit kleinem Handwerkszentrum für Frauen ist durch einen Realschul- und einen Gymnasialzweig ergänzt worden, es gibt einen Informatikraum, einen Kindergarten (unterstützt durch die Mirja-Sachs-Stiftung), eine Schulküche, einen Schulgarten und eine Krankenstation, die den Schulkindern kostenlose Behandlung anbietet und den Bewohnern der gesamten Region 24 Stunden lang gegen einen kleinen Obolus offen steht.

Bildung hilft auf vielfältige Weise

Der Deutschunterricht ist hier fester Bestandteil des Lehrplans neben der Amtssprache Französisch und Englisch. Kathrin Seyfahrt erlebt heute, dass ehemalige Schüler Lehrer werden und viele Deutsch studieren. Viele Frauen und Mädchen aus dem Ausbildungszentrum hätten eigene Schneider-Ateliers, zum Teil sogar mit Angestellten, versorgten als Ehefrauen und Mütter nebenbei zwei bis vier Kinder und könnten ihre Familien unterhalten.

Der Botschafter Dr. Andreas Pfaffernoschke, dessen Besuch wegen der instabilen Sicherheitsverhältnisse im Land nicht  selbstverständlich war, konnte in einer Präsentation auch die vielfältigen Projekte des Vereins, in die bereits viele Spendengelder aus Cuxhaven geflossen sind, kennenlernen. Wobei die Dörfer im Norden terrorbedingt nicht sicher sind und zum Teil völlig geräumt werden mussten. So wie das Dorf Pétessiro, wo der Verein eine Geburtshilfe-Station mit Apotheke, Personalräumen und Brunnen hochzog und eine Grundversorgung für 3000 Menschen aufbaute. Zurzeit geht dort niemand ein und aus, die Gebäude sollen aber in Ordnung sein. Das Wichtigste: “Wir haben bis auf einen Torwächter keinen unserer Leute verloren”, ist Kathrin Seyfahrt froh.

Warum “Wunschträume”? Weil Frauen ihr ihre Wunschträume geschildert hatten: Wasser, Essen, ein Paar Schuhe, Schulbesuch. Vieles, was davon verwirklicht werden konnte, ist ein fragiles Gut. Islamistische Terroristen wollen nicht nur instabile Verhältnisse schaffen, sondern oft auch die Bildung von Frauen und Mädchen verhindern. Bildung und ein eigener Lebensunterhalt – auch für Männer – sind die besten Voraussetzungen, um der Perspektivlosigkeit entgegenzuwirken. “Alles gegen den Terrorismus”, so Kathrin Seyfahrt. Denn die Terroristen versuchten, schon 14- und 15-Jährige anzuheuern.

Im Schulgarten lernen Kinder bereits, eigene Lebensmittel anzubauen. Was nicht in der Schule verzehrt wird, dürfen sie mit nach Hause nehmen, ebenso die Reste der Schulspeisung: Für fünf Euro im Monat wird ein Kind satt. Wer spenden möchte, kann sich unter https://netzwerk-wunschtraeume.de/ näher informieren. Am 15. September findet in der St. Marien-Kirche in Cuxhaven wieder das Benefizkonzert “Shantys for Africa” mit dem Shanty-Chor Cuxhaven statt. Dort werden auch Ausschnitte der Präsentation über die bisherigen Projekte gezeigt.

aus Cuxhavener Nachrichten vom 08.02.2023

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