Schulspeisung zu Corona-Zeiten

Nach zweimonatiger Zwangspause aufgrund von COVID-19 hat am 1. Juni im westafrikanischen Burkina Faso für viele Schülerinnen und Schüler der Schulalltag wieder begonnen. Und zwar für all diejenigen, die ihr Examen schreiben werden – entweder als Schulabschluss oder als Übergang zur höheren Schule.
Selbstverständlich bekommen alle Kinder und Jugendlichen zur Mittagszeit auch wieder ihre gewohnte Schulspeisung. Auf die hatten sie jetzt lange Zeit verzichten müssen, da viele Eltern nicht die finanziellen Mittel haben, ihrem Nachwuchs täglich auch mittags eine ausgewogene Mahlzeit zu geben. Aber gerade in diesen schwierigen Corona-Zeiten ist gute Ernährung besonders wichtig.
Nahrungsmittel aber sind aufgrund schlechter Ernten in den ländlichen Regionen knapper denn je und insbesondere in den Dörfern sind viele Menschen auf Hilfe angewiesen.
Am Wend Raabo Schulkomplex ist die warme Mittagsmahlzeit dank Sternstunden e.V., der Benefizaktion des Bayerischen Rundfunks, bis zum Schuljahresende gesichert.
Das etwas mehr als 3.000 Seelen zählende Dorf Pétessiro hat nicht ausreichend Lebensmittelvorräte. Hier wurden wir von Wunschträume/Netzwerk für Mädchen- & Frauenprojekte e.V. dringend um Hilfe gebeten. (Eine kurze Beschreibung unseres Projektleiters Mamoudou Sawadogo zur momentanen Situation des Dorfes finden Sie auf der Seite 2).
Benötigt werden 60 Säcke Reis (à 50 kg), 10 Säcke Mais (à 100 kg) und 30 Kanister Öl (à 20 l), die Kosten dafür belaufen sich auf summa summarum rund 3.000 Euro.
Keine Frage, wir werden den Menschen von Pétessiro natürlich helfen, auch wenn dafür ein anderes Vorhaben (beispielsweise der Bau eines Kindergartens) zunächst hinten angestellt werden muss.
Denn nur wer ausreichend zu essen hat, kann gut arbeiten, lernen und ist in der Lage auch anderen zu helfen und – wie in diesem Fall – das Dorf Pétessiro weiter voranbringen.

Bericht von Mamoudou Sawadogo:
Die Lage der Bevölkerung in Pétessiro und Thiou
1. Allgemeine Bemerkungen:
-Pétessiro ist, laut Volkszählung 2006, ein Dorf mit 2.879 Einwohnern und wird im Jahr 2018 auf 3.450 Einwohner geschätzt.
Ein CSPS, welches seit 2007 von WUNSCHTRÄUME gebaut und ausgestattet wurde, gewährleistet die medizinische Versorgung von Pétessiro und Umgebung.
Seit 2007 wird die Schule von WUNSCHTRÄUME unterstützt, 2014 wurde sie normiert; 30 Schülerinnen und Schüler aus Pétessiro werden finanziell unterstützt, damit sie ihre Ausbildung an der weiterführenden Schule in Thiou fortsetzen können, was zum Bau eines Wohnheims für die SchülerInnen in Thiou geführt hat.
Viele Aktivitäten, die der Entwicklung zum Wohle der Bevölkerung dienen, werden von WUNSCHTRÄUME finanziert.
Pétessiro hat einen bedeutenden positiven Wandel erlebt, der dem Dorf ein strahlendes Gesicht gegeben hat und es ist sogar zu einem Modell in der Gegend geworden.

2. Die aktuelle Situation des Dorfes:
Seit 2017 leidet das Dorf unter den Folgen des Terrorismus; in der Tat durchlebten die umliegenden Dörfer Angriffe, Plünderungen und Attentate; diese Situation beunruhigte zunächst die Lehrer und Krankenpfleger, die sich selbst schützend umorganisiert haben: Die Krankenpfleger arbeiten nur noch tagsüber und die Lehrer zogen sich mit etwa vierzig der 200 Schülerinnen und Schüler der Schule nach Thiou zurück.
In jüngster Zeit hatte eine Verschlechterung der Sicherheitslage zu einer Bewegung innerhalb der Bevölkerung geführt.
Heute haben sich die Menschen trotz verschiedener Schwierigkeiten wieder eingerichtet.
Sowohl die Krankenpfleger als auch die Lehrer erfüllen weiterhin ihre Aufgaben, jedoch mit Problemen bei der Materialbeschaffung aufgrund von Störungen in der öffentlichen Funktion und die Bevölkerung hat Schwierigkeiten mit der Nahrungsmittelbeschaffung.
Die Bevölkerung benötigt vor allem Lebensmittel, für die Krankenpfleger und Lehrer besteht vor allem das Problem der Materialbeschaffung.
Dies beschreibt kurz die Situation in Pétessiro und Thiou.
Geschrieben in Pétessiro am 28/05/2020