Reiseberichte

Reise nach Burkina Faso vom 1. bis 9. März 2016

Noch mit etwas mulmigen Gefühl – der Terroranschlag auf das Café ‘Cappuccino‘ und das ‘Splendid-Hotel‘ von Ouagadougou lag erst knapp sieben Wochen zurück – flogen Dr. Jan Henning, seine Frau Angela und ich am 1. März in die Hauptstadt Burkina Fasos. Es sollten neun erfüllte, bereichernde Tage werden, an deren Ende auch der Shanty-Chor Cuxhaven in Ouagadougou einen gewissen Bekanntheitsgrad erreichte. Sehr zur Freude der 42 Frauen eines ‘Gartenprojekts‘ sowie der 250 verbannten Frauen im Delwendé-Zentrum.

Angekommen am 1. März stiegen wir abends bei immer noch über 30° aus dem Flugzeug. Projektleiter Sidiki Belem holte uns wie immer im Flughafen ab, und kaum hatten wir die Einreiseformalitäten erledigt, waren unsere Koffer auch schon da. Ohne sie öffnen zu müssen, konnten wir den Flughafen hinter uns lassen und fuhren in unsere Unterkunft. Aus Sicherheitsgründen diesmal kein Hotel, sondern die wunderschönen Gästezimmer im AMPO-Waisenhausprojekt meiner Freundin Katrin Rohde. Nach einer erfrischenden Cola und kleiner Vorstellungsrunde mit unseren Projektpartnern Sidiki, Mamoudou und seinem Schatzmeister Boureima, packten wir erstmal unsere Koffer aus, richteten uns etwas häuslich ein, um dann auf der Terrasse noch ein gemütliches Abendessen und ein Glas Wein zu genießen. AMPO-Geschäftsführerin Andrea Reikat stieß auf einen Plausch dazu.

Am nächsten Morgen ging es mit einer Besichtigung der AMPO-Krankenstation los. Das Gesundheitswesen im weitesten Sinn war schließlich Hauptziel der Reise, mit den Fragen: „Wo gibt es?“ und „Wie arbeitet eine gewachsene, funktionierende Krankenstation?“ „Wie sieht es in Krankenhäusern aus?“ „Wie, und ob überhaupt, werden Arme, Alte, Verletzte versorgt?“ „Wie könnte man ein Erste Hilfe Programm sinnvoll einführen?

Mittags ein Besuch erster Besuch im Schulkomplex Wend Raabo. 1.425 Kinder versammelten sich auf dem Schulhof, sangen die burkinische und anschließend die deutsche Nationalhymne und hissten die jeweilige Flagge – ein tief berührender Moment.

Ein Rundgang und Jan untersuchte erste Patienten in der provisorisch eingerichteten Krankenstation auf dem Gelände der Wend Raabo-Schule. Der Bau einer Krankenstation ist großer Wunschtraum von Sidiki Belem und ganz bestimmt auch vonnöten in einem Land, in dem auf einen Arzt im Durchschnitt 27.000 Patienten fallen. Eine Krankenpflegerin ‘leitet‘ die Station, ein burkinischer Arzt, der eigentlich im großen städtischen Krankenhaus von Ouagadougou tätig ist, war gekommen um (ehrenamtlich) zwei bis drei Tage seinen deutschen Arztkollegen zu unterstützen. Ein Deutschlehrer der Wend Raabo Schule, der 24jährige Moribiga, war für die Zeit unseres Besuches mehr oder weniger als Übersetzer für uns abgestellt, und insbesondere für die Patientengespräche zuständig. Er hat seine Sache toll gemacht und am Ende unserer Reise waren nicht nur seine Sprachkenntnisse um ein Vielfaches besser geworden, sondern er selbst meinte für sich ganz viel gelernt zu haben. Es wäre wünschenswert, diesem jungen Mann den Besuch der Universität weiter bis zum Master zu ermöglichen. Den Bachelor hat er, aber das Geld fürs Weiterstudieren leider nicht.

Am Nachmittag ist es Jan gelungen in der AMPO-Krankenstation eines der drei Ultraschallgeräte wieder in Gang zu bringen und dem Personal zu erklären. Zwei weitere Geräte scheinen leider fehlerhaft aus Deutschland geschickt worden zu sein, ebenso wie zwei Defibrillatoren, bei denen Akkus und Kabel fehlten.

Es wäre schön, wenn bei Gerätschaften, die als Spenden geschickt werden, auch alle Zusatzteile dabei sein würden. Ebenso französische Gebrauchsanleitungen.

Rakieta kommt zu einem ersten Kennenlernen mit Jan und Angela.

Leopold Boukoungou, Mitarbeiter der TuaRes-Stiftung, kommt etwas abholen.

Ein leckeres Abendessen mit Andrea und Connie (Frau des Vertreters des luxemburgischen Botschafters) auf der Terrasse unseres AMPO-Restaurants. Netzwerk-Gespräche.

Am Donnerstagmorgen steht als erstes ein Gespräch in der Deutschen Botschaft bei Frau Kerstin Vaessen an, allgemeiner Austausch über unseren Besuch. Anschließend weitere Patientenuntersuchungen in der Wend Raabo Krankenstation. Um 15.00 Uhr Besuch im Centre médical bei Dr. Yacouba und Dr. Mariam, ein Gynäkologen-Ehepaar, das ich im Herbst vergangenen Jahres über Rakieta Poyga kennengelernt hatte. Ein außergewöhnliches Ärztepaar, denn beide arbeiten nicht nur im großen Stadtkrankenhaus, sondern ebenso engagiert und teils ehrenamtlich in dem privat aufgebauten Centre médical, einem Zentrum für Frauen (insbesondere auch im Kampf gegen weibliche Genitalverstümmelung) mit angeschlossener Entbindungsstation. Auch hier mangelt es an ganz vielem, aber im Vergleich zu vielen anderen Dingen funktioniert auch vieles. Eine Liste mit den wesentlichen Bedürfnissen soll uns am Ende der Reise noch überreicht werden.

Abends wieder eine nette Runde auf der AMPO-Terrasse. Connie kommt und hilft uns noch beim Übersetzen der Erste Hilfe Power Point Präsentation, die am nächsten Tag bei einigen Schülerinnen und Schülern bei Rakieta Poyga und ihrer Organisation BangrNooma stattfinden soll.

Freitag früh Abholung zur Wend Raabo Krankenstation. Neben der Behandlung einiger Patienten durch Jan stehen für Angela und mich der Besuch einzelner Schulklassen, des Kindergartens, der Köchinnen und der Bibliothek an. Fotos hier und da sind zu machen. Singen und Tanzen mit den Kindern im Kindergarten…..

Nach einer kleinen Mittagspause –die Durchschnittstagestemperaturen sind inzwischen auf 44° gestiegen – geht es auch schon wieder weiter: zum BangrNooma Schulungszentrum von Rakieta Poyga, wo um 14.00 Uhr der erste Erste Hilfe Kurs wohl überhaupt in Burkina Faso stattfinden soll. 16 Jugendliche, ihre 5 Lehrer sowie das gesamte BangrNooma-Team nehmen teil und warten gespannt. Wo wir textlich nicht weiterkommen, übersetzt Rakieta mit Engelsgeduld und nötigem Humor. Die Kids – alle so zwischen 16 und 19 Jahren, Mädchen, Jungen – sitzen mit großen Ohren und staunenden Augen da. Sie lauschen, was Jan ihnen versucht zu erklären.

Schnell wird klar: Erste Hilfe, wie sie bei uns in Schulen und/oder beim Führerschein gelehrt wird, funktioniert hier so gar nicht. Das vom Roten Kreuz vorgegebene Erste Hilfe-Programm muss überarbeitet und im Grunde ganz weit runtergeschraubt werden. Denn wenn man nach Erklären der Schock- oder stabilen Seitenlage sagt: „…aber wenn das….,, dann muss man ein Krankenhaus aufsuchen….“ – wenn man das drei-, viermal erwähnt, melden sich die Teilnehmer: „Aber einen Krankenhausbesuch können wir nicht bezahlen.“….. Was dann? Wo und wie fängt man hier an? Es bleiben ganz viele Fragen offen.

Und dennoch, die ersten Teilnehmerinnen und Teilnehmer scheinen wissbegierig und wollen was mitnehmen. Und wie Rakieta Poyga am nächsten Samstagmorgen, als wir uns im großen Hospital trafen, erzählte: alle sind sie am üben: Schocklage, stabile Seitenlage und diverse Verbände.

Am 15. April ist Tag der offenen Tür bei BangrNooma. Spätestens da wollen die Jugendlichen vorführen und präsentieren, was sie gelernt haben. Wäre schön, wenn das Schule macht und viele Kurse nach sich ziehen würde. Unsere Projektleiter Sidiki Belem und Mamoudou Sawadogo sind auf alle Fälle eingeladen.

Zufrieden kehren wir gegen 17.30 Uhr in unser AMPO-Quartier zurück. Um 19.00 Uhr holen uns Georges und Connie – die Luxemburger – ab. Heute Abend geht’s mal aushäusig essen, in die Sika-Lounge, ein hübsches Gartenlokal mit Karibik-Jazz- Livemusik in der Zone du Bois, eine feine, etwas ruhigere Gegend im hektisch-lauten Ouagadougou.

Am Samstag geht es früh wieder los. Frühstück um 7.00 Uhr auf der AMPO-Terrasse. Eine halbe Stunde später sitzen wir bereits bei Sidiki im Auto und fahren zur Universitätsklinik von Ouagadougou. Dort sind wir mit Rakieta für einen Besuch bei Dr. Mariam verabredet. Jan hat durch seinen ‘burkinischen Kollegen‘ die Möglichkeit sich einen Operationssaal von innen anzusehen. Was er zu sehen bekommt……? Es fehlt an so vielem. Doch es sind auch viele Geräte da – nur: sie stehen in einem Lagerraum, sind noch in Kartons verpackt, vermutlich aus irgendwelchen Hilfslieferungen, und kaum jemand kann sie bedienen.

Ich möchte hier nur so viel schreiben: zwischen der Uniklinik von Ouagadougou und einer deutschen Uniklinik liegen Welten.

Unser Programmplan ist sehr dicht. Wir fahren weiter zu einem Frauenprojekt, das wir über Rakieta und ihre Organisation BangrNooma unterstützen, ein Gartenprojekt, in dem 42 Frauen – die meisten alleinstehend, alleinerziehend, verwitwet, auf einem Stück Land, das ihnen zur Verfügung gestellt wurde, Gemüse wie Karotten, Lauch, Zwiebeln, Rote Beete……. anbauen und auf dem Markt gewinnbringend verkaufen. Die meisten von ihnen können sich selbst ernähren, ihre Kinder in die Schule schicken und sich gegebenenfalls einen Arztbesuch bezahlen.

Die drei Ziehbrunnen auf dem Gelände waren verstopft und konnten dank Wassergeld aus Cuxhaven – Merci an den Shanty-Chor – im vergangenen Jahr wieder frei gebohrt werden. Allerdings hatten die Brunnen keinerlei Einfassung und waren dadurch nicht ungefährlich. Hier konnte dank einer weiteren Scheckübergabe im September letzten Jahres in Cuxhaven Abhilfe geschaffen werden. Für umgerechnet 626 Euro haben die Brunnen ordentliche Einfassungen und auch Abdeckungen bekommen, so dass kein unnötiger Dreck, Sand oder Laub mehr in das kostbare Wasser fallen kann.

Als ich den Frauen ein Foto vom Shanty-Chor zeigte, kicherten sie beinahe wie Teenager – nein, so etwas, ein Männerchor! Das hätten sie sich in ihren kühnsten Träumen nicht vorstellen können. Umso dankbarer strahlten sie, als ich ihnen versprach, bei meinem nächsten Besuch eine CD mit Musik von diesem Männerchor mitzubringen. Ein herzliches ‘Barka‘ – ‘Merci‘ – ‘Danke‘ von den 42 Frauen nach Cuxhaven.

Nächstes Ziel an diesem Samstagmorgen: ein Besuch bei Santa Delwendé (übersetzt: Lehne dich an Gott), das ich von meinem letzten Besuch im Oktober kannte, und das wir seither mit kleinen Lebensmittelhilfen unterstützen. Auf dem Areal nahe des Barrages/des Stausees leben 242 Frauen zwischen 40 und 94 Jahren, die als sogenannte ‚Hexen‘ aus ihren Familien verbannt wurden, sowie fünf geistig kranke Männer unter kaum beschreibbar armen Verhältnissen, aber der liebevollen Obhut zweier katholischer Schwestern und dem Hausmeister Philippe Kaboré.

Ein paar Frauen verdienen Tag für Tag als Tagelöhnerinnen in Ouagadougou ein paar Cent für den Lebensunterhalt dazu. Einige alte Frauen kauern am Boden, reinigen Baumwolle, die sie nach der Ernte von den Feldern aufgelesen haben und verspinnen sie. Für das Garn bekommen sie nur Cent-Beträge. Andere Frauen bauen ein wenig Gemüse an. In kleinen Gruppen wird abends gekocht. In den Schlafsälen hat jede Frau ihr Hab und Gut in einer Kiste. Zum Schlafen werden nachts Strohmatten ausgerollt. 25 bis 30 Frauen schlafen in einem Raum. Dunkel, stickig – aber sehr sauber.

Die Pumpe des Brunnens von Santa Delwendé war defekt. Dank ‚Wassergeld‘ vom Shanty-Chor Cuxhaven konnte Wunschträume/Netzwerk für Mädchen- & Frauenprojekte e.V. diese im vergangenen Jahr erneuern, so dass wieder ausreichend sauberes Wasser für alle BewohnerInnen fließt.

Jan hat mit Rakietas‘ Übersetzungshilfe einige der alten Frauen untersucht. So wenig er glaubte hier helfen zu können, umso mehr glaube ich ist sein Engagement hier angenommen worden. Da kommt ein Arzt aus Deutschland und untersucht ausgestoßene Frauen. Das hat es noch nie gegeben. Die Dankbarkeit ist unendlich groß.

Als ich den Schwestern das Foto vom Shanty-Chor zeigte, gab es auch hier zunächst ein verstohlenes Kichern, dann das große ‘Barka‘ – ‘Merci‘ – ‘Danke‘ !

Zurück im Quartier steht etwas Ausruhen und dann Koffer packen an, denn am Sonntag fahren wir für zwei Tage in nordwestlicher Richtung nach Ouahigouya, 195 Kilometer grobe Richtung Mali. Das Auswärtige Amt rät von nicht unbedingt notwendigen Reisen ab. Sidiki Belem hat, wie er mehrfach bekundet, für unsere Sicherheit vorgesorgt. Ein Besuch beim König Naaba Kiba und beim Gouverneur der Nördlichen Region sind geplant, ebenso eine große Zeremonie am Montag in Youba mit vielen hohen Gästen. Außerdem sollen wir Ehrengäste bei der Feier zum Weltfrauentag am Dienstag in Ouahigouya sein.

Ich habe keine Angst, aber so ein ganz klein wenig mulmiges Gefühl im Bauch, und ein ‘hoffentlich geht alles gut‘ fährt mit.

Abfahrt Sonntag früh um 7.30 Uhr.

Die Fahrt durch die Stadt Ouagadougou zieht sich durch quälend viel Verkehr. Unser Deutschlehrer fährt als Übersetzer mit. Es ist die erste längere Autofahrt in seinem Leben. Die holprigen Straßen lassen den Armen ziemlich autokrank werden. Wir setzen ihn nach vorne, müssen aber dennoch öfter anhalten. Auf die Art und Weise können wir Fotos in der Region Sahel machen. Die Landschaft wird zusehends immer trockener. Die Luft ist flirrend und staubig, das Thermometer steigt schon am frühen Vormittag auf über 40 Grad.

Gegen 11.30 Uhr stehen wir beim König vor dem Palast. Wir werden schon erwartet und Jan meint: „Ich beim König, ich glaub es nicht.“

Wir machen Fotos vor dem großen Holzlöwen am Eingang, dann bittet man uns in den Empfangssaal. Vorn in der Mitte steht ein Königsthron – auch wieder mit großen Holzlöwen. Wir sitzen in der ersten Reihe und erheben uns, als seine Majestät den Raum betritt. Im königsblauen Outfit mit roter Mütze strahlt der große schmale, alte Mann Würde aus. Sein Handy legt er nicht aus der Hand, aber es klingelt während unseres Besuches nicht.

Sidiki stellt uns vor, erklärt, was Wunschträume/Netzwerk für Mädchen- & Frauenprojekte e.V. seit nunmehr 10 Jahren im Land macht. Auf den Tag genau bin ich an diesem Sonntag, dem 6. März vor 10 Jahren das erste Mal in Ouahigouya gewesen. Der König zollt uns Respekt, dann wird ein Schaf, ein Hammel, gebracht und mir als Geschenk überreicht. Das ehrt mich sehr.

Als Sidiki mich später fragt, wie denn dieses Schaf heißen soll (mein erstes Schaf bekam ich vor ein paar Jahren geschenkt und nannte es ‘München‘), gab ich ihm den Namen ‘Hamburg‘.

Nach dem royalen Besuch bezogen wir unser Quartier im Hotel Amitié und genossen eine zweistündige Pause bei Cola und kalten Wasser im Garten unserer Unterkunft, bevor das offizielle Programm um 15.00 Uhr bereits wieder weiter ging mit einem Treffen mit Frauen von Ouahigouya, die nach Lesen und Schreiben das Handwerk der Seifenproduktion erlernt haben.

Anschließend Begegnung und Gespräch mit einer etwa 20köpfigen Delegation aus Pétessiro, jenem Dorf, wo wir Krankenstation, Schule, Ausbildungszentrum für Frauen…… gebaut haben, in das wir aber seit einigen Jahren aus Sicherheitsgründen leider nicht reisen können. Es liegt zu dicht an der Grenze zu Mali, die Entführungsgefahr ist sehr hoch.

Die Menschen in Pétessiro bedauern zutiefst, uns nicht persönlich den Fortschritt ihres Dorfes zeigen zu können. Umso begeisterter erzählen sie von den Modernisierungen. Und natürlich haben sie eine große Bedarfsliste all der Dinge dabei, die noch fehlen. Da soll/muss zum Beispiel die ganze Krankenstation einen Zaun bekommen, damit nicht Hühner, Ziegen, Schafe über das Gelände laufen.

Das Gebäude des Ausbildungszentrums für Frauen soll um einen Raum vergrößert werden, damit demnächst mit einer Kartié-Butter-Produktion gestartet werden kann.

Die Dorfschule soll das dritte neue Klassenzimmer bekommen (der Bau konnte dank weiterer Unterstützung der Augstein-Stiftung, Hamburg gerade begonnen werden) und für die Krankenstation soll eine Moto-Ambulance angeschafft werden. Das Geld dafür ist gerade zusammengekommen, ein Kostenvoranschlag liegt vor.

Eine Gruppe junger Imker soll aus- und fortgebildet werden, ebenso eine Gruppe von Frauen im Bau von Kochherden.

Jan führt ein langes Gespräch mit dem Krankenpfleger Sambatiste, der seit 2 Jahren und vier Monaten die Station leitet. Durchschnittlich 360 Patienten werden im Monat behandelt, etwa 13 Geburten sind monatlich zu verzeichnen.

Hauptkrankheiten sind Malaria, Husten/Bronchitis, Durchfallerkrankungen sowie Mangelernährung, des Weiteren Hautkrankheiten, Wunden bei den Arbeitern in den Goldminen, sowie Augenerkrankungen.

Dringend benötigt wird ein weiteres Logement für einen zusätzlichen Krankenpfleger; ein Motorrad, um zur Sensibilisierung und zu Impfaktionen auch in umliegende Dörfer fahren zu können, ein Laptop für das Schreiben der Berichte. Außerdem bekommen wir noch eine Liste über fehlende Gerätschaften und Medikamente für die Krankenstation.

Nach Abschiedsgruppenfotos macht sich die Delegation aus Pétessiro wieder auf den Heimweg. Immer zwei auf einem Moped verschwinden sie in der staubigen Abendsonne.

Um 19.30 Uhr steht der letzte Termin für diesen Tag an: ein privater Besuch beim Gouverneur Assane Sawadogo, ein etwa vierzigjähriger sympathischer Politiker, der seit Übernahme der neuen Regierung für vier Provinzen im Norden Burkina Fasos zuständig ist. Auch er versichert uns noch einmal, dass unser Besuch im Norden des Landes sicher sei. Er wird uns, gemeinsam mit anderen ranghohen Politikern und Militärs, am nächsten Tag in die Dörfer Sanenga und Youba begleiten.

Nach erfrischenden Getränken und regen Gedankenaustausch fahren wir eine Stunde später zurück zu Sidiki zum Abendessen. Beim nächtlichen Absacker im Hotelgarten versuchen Angela, Jan und ich unsere unzähligen Eindrücke noch ein wenig zu verarbeiten.

Am nächsten Montag geht es gleich in der Früh weiter. Geplante Abfahrt beim Gouverneur: 8.00 Uhr – und die wird pünktlichst eingehalten. Als erstes steht ein Besuch im Alphabetisierungszentrum im nahe gelegenen Dorf Sanenga an. Zurzeit lernen 60 Frauen lesen und schreiben. Radio-Television Burkina Faso begleitet uns an diesem Vormittag und dreht einen Film.

Weiter geht es über Sandpisten ins elf Kilometer entfernte 8.000 Seelen-Dorf Youba.

Hier steht als erstes der Besuch der höheren Schule an, wo wir von Spalier stehenden Jugendlichen singend begrüßt werden. Kurzer Besuch und Austausch mit Schuldirektor und Lehrern.

Vorbei am schuleigenen Brunnen weiter zur École primaire, ebenfalls Gespräch mit Schuldirektor und Lehrern.

Weiter zur Krankenstation, Austausch mit der leitenden Pflegerin, der Hebamme sowie ein paar Patienten.

Ein Besuch um Ausbildungszentrum der Frauen: in der Alphabetisierung, bei den Weberinnen, in der Seifenproduktion, bei den Kordel-Herstellerinnen (Kälberstricke), in der Töpferei. Es ist unglaublich beeindruckend, was hier in den letzten Jahren vorangegangen ist. Ich staune, als Sidiki mir eine Liste überreicht:

500 Frauen haben lesen und schreiben gelernt, 200 Frauen sind im Weben ausgebildet worden, 300 Frauen in der Seifenproduktion und jeweils 60 in der Kordel-Herstellung und im Töpferhandwerk.

Die webenden Frauen erzählen uns, dass sie inzwischen sogar Stoffe bis ins Nachbarland Elfenbeinküste verkaufen. Ihre Stoffe sind wirklich hinreißend schön. Auch Angela und ich sind begeistert und kaufen.

Die große Zeremonie auf dem Dorfplatz, zu der auch König Naaba Kiba gekommen ist, ist für 11.00 Uhr angesetzt und beginnt ebenfalls superpünktlich mit Reden des Dorfchefs, der unterstützten Frauen, des Gouverneurs. Außerdem müssen Sidiki und ich jeweils eine kleine Rede halten.

Geschätzte 1.500 Menschen – Kinder, Frauen, Männer – sitzen und stehen im Rund und lauschen, klatschen, jubeln. Zwischendurch gibt es kleine musikalische Einlagen.

Eine durch und durch bestens organisierte Veranstaltung, und am Ende bekommen der Gouverneur und ich jeweils ein Schaf vom Dorf Youba überreicht. Mein drittes Schaf – es soll den Namen ‘Cuxhaven‘ bekommen.

Aufbruch nach einer Stunde zurück nach Ouahigouya zum Gouverneur, wo alle noch zu einem abschließenden Empfang geladen sind. Sidiki, Jan und ich geben dem Journalisten von RTB noch Interviews, bevor wir in eine kleine wohlverdiente Mittagspause ins Hotel fahren. In dieser nördlichen Region ist es noch etwas heißer als in der Hauptstadt Ouagadougou.

Am Nachmittag ist ein Besuch im Krankenhaus von Ouahigouya geplant, der sich insofern als besonders interessant herausstellt, als wir dort zufällig ein deutsches Ärzteteam, bestehend aus Dr. Theo, einem Anästhesisten und einer OP-Schwester vom Hammer Forum, eine Hilfsorganisation, die sich seit 1991 um die medizinische Versorgung von Kindern in Krisengebieten kümmert, treffen.

Das Krankenhaus in Ouahigouya ist im Jahr 2012 grundsaniert worden, alles ist hell, sauber, freundlich. Natürlich fehlt es auch hier an vielem, aber im Gegensatz zur Uni-Klinik in Ouagadougou……

Mit den ‘Kollegen‘ aus Deutschland verabreden wir uns für den Abend zum Bier im Hotel-Garten. Es war ein sehr interessanter, informativer Austausch. Vielleicht kommt es einmal zu einer gemeinsamen Veranstaltung.

Der nächste Tag, war der 8. März – Weltfrauentag – und in afrikanischen Ländern ein Feiertag, an dem eben viele Frauenveranstaltungen stattfinden. Zu einer solchen waren wir in Ouahigouya auf der Ehrentribüne, 1. Reihe, eingeladen. Wieder nehmen König Naaba Kiba, der Gouverneur und hochrangige Politiker, Militärs und sogar der Bischof teil. Und natürlich sämtliche Frauenverbände der Region, ihnen zu Ehren wird dieser Tag schließlich gefeiert. Rund 2.500 Menschen haben sich auf dem großen Stadtplatz versammelt. Militär und Gendarmerie zeigen große Präsenz zur Sicherheit.

Wir tragen die extra für diesen Tag für uns geschneiderten Kleider mit Emblem zum 8. März 2016 – Weltfrauentag.

Wieder werden viele Reden gehalten von Präsidentinnen der Frauenverbände, vom Gouverneur, und…, und…, und….., bevor die vielen einzelnen Frauengruppen in einer Parade vor der Tribüne aufmarschieren. Ganz so militärisch, wie das anmutet, wäre es glaube ich bei uns nicht möglich. Es erinnert so ein wenig an sozialistische Zeiten. Dennoch finde ich toll, dass der Weltfrauentag auch als Feiertag mit Zeremonien begangen wird.

Es ist Mittag, als die Veranstaltung zu Ende ist. Zeit für die Rückfahrt nach Ouagadougou, denn am Abend soll im AMPO-Restaurant die Jahresfeier zu zehn Jahren Zusammenarbeit von Wunschträume/Netzwerk für Mädchen- & Frauenprojekte e.V. und unseren Projektleitern in Burkina Faso stattfinden.

Wir essen noch eine Kleinigkeit bei Sidiki, dann brechen wir auf und erreichen nach gut drei Stunden wieder unser AMPO-Quartier.

Für meine Schafe ‘Hamburg‘ und ‘Cuxhaven‘ habe ich Quartiere gefunden. Das eine geht ins Ausbildungszentrum für Frauen nach Youba, das andere ins Ausbildungszentrum für Frauen nach Pétessiro. Dort sollen die Tiere noch jeweils ein Jahr gut leben, dann dürfen sie geschlachtet werden.

Gegen 19.00 Uhr treffen die ersten Gäste zur 10-Jahresfeier ein. Die Tafel ist im Innenhof für 25 Personen wunderschön gedeckt. Adama, der langjährige wunderbare Chefkoch von AMPO, hat ein leckeres Menü zusammengestellt: Avocado/Papaya-Salat – Kokoshähnchen – Mango-Tarte. Alle, mit denen wir in den letzten neun Tagen zu tun hatten, sind gekommen, mitzufeiern, mit zu vernetzen. Schön, dass auch Frau Vaessen von der Botschaft Zeit hatte. Ein ‘Wunschträume-Fest‘ zum Ende jeder Reise im AMPO-Restaurant ist inzwischen Tradition und trägt sicher auch ein Stück weit zu einer guten Vernetzung unter den einzelnen Projektleitern in Ouagadougou bei. Und dieses Mal schien es besonders gelungen, denn alle blieben fast bis Schließung des Lokals.

Der 9. März – unser letzter Tag, bis wir am Abend nach Europa zurückflogen – war vormittags noch einmal mit Patientenuntersuchungen und Gesprächen in Wend Raabo verplant. Am Nachmittag Koffer packen, Abschied nehmen. Rakieta, Connie, Denis (der Krankenpfleger von AMPO), unser Wend Raabo-Anästhesist, Andrea… sie alle waren noch einmal gekommen ‘Merci‘ – ‘Au revoir‘ und ‘à bientôt‘ zu sagen.

Eine, was die Temperatur anbetrifft, sehr heiße Zeit, was die Emotion anbelangt, eine reiche, berührende und mehr als erfüllte Zeit neigt sich dem Ende entgegen.

Die Ausreiseformalitäten gehen zügig, die Air France-Maschine startet pünktlich. Zunächst geht es in südlicher Richtung nach Lomé/Togo, dort wechselt die Crew. Seit dem Anschlag am 15. Januar in Ouagadougou übernachten die Flugbe-satzungen nicht mehr in Burkina Faso. Die Landung in Paris am nächsten Morgen ist pünktlich, ebenso der Weiterflug nach Hamburg, wo wir glücklich erwartet werden.

Um den weiteren Flüchtlingsstrom aus Afrika zu unterbinden, müssen wir gemeinsam für Bildung, Ausbildung und Berufsmöglichkeiten vor Ort sorgen.

Seien Sie/seid Ihr alle bedankt für Ihre/Eure treue Unterstützung bis heute. Helfen Sie/helft Ihr uns die begonnene Arbeit nachhaltig zu vertiefen und fortzusetzen, damit nachfolgende Generationen wieder Zukunftsperspektiven und Visionen haben können.

In diesem Sinne danke ich Ihnen/Euch und wünsche allen eine gesegnete Zeit.

Herzlichst

Kathrin Seyfahrt