Ghana

Eine Bibliothek (ehemals Schulbau) für Aboadze / Ghana

Bericht von Maximilian Oehl

Um das Entwicklungsprojekt auf feste Beine zu stellen, gründeten wir zunächst eine „Foundation“ nach ghanaischem Recht, die unter dem Namen „MaxMaria“ firmiert und Joseph zu ihrem Vorsitzenden hat. Der Name setzt sich zusammen aus meinem Vornamen sowie dem zweiten Vornamen meiner Mutter, Frauke-Maria Oehl, die das Projekt gemeinsam mit mir federführend unterstützt. Der Vorschlag zu diesem Namen kam von Joseph selbst.

In Deutschland konnte der Verein „Wunschträume/Netzwerk für Mädchen- & Frauenprojekte e.V.“ als Kooperationspartner gewonnen werden, der insbesondere über Expertise im Bereich des Schulbaus u.a. in dem ghanaischen Nachbarland Burkina-Faso verfügt. Die Anbindung an diesen Verein soll dem Schaffen der „MaxMaria Foundation“ die nötigen Strukturen und die erforderliche Nachhaltigkeit vermitteln.

Doch zurück zu dem konkreten (Auftakt-)Projekt unserer frischgebackenen Stiftung: zunächst bestand die Idee darin, die Gemeinde anhand eines Schulbaus zu unterstützen.

Vorab wurden bereits ein Großteil der örtlichen Schüler mit Bücherspenden unterstützt. Bei meinem Besuch besichtigte ich das Schulgelände der „Community School“, die über eine „Primary school“, also eine Grundschule, als auch über eine „Junior High School“, also eine Art Mittelschule von fünfter bis siebter Klasse, verfügt. Der Schulkomplex setzt sich zusammen aus sehr alten, teils verfallenen Gebäuden und neueren, gut erhaltenen Schulblöcken. Entsprechend dieser Gebäudestruktur hatten wir zunächst die Idee, die alten baufälligen Blöcke abzureißen und neu aufzubauen, um so der zahlenmäßig an Schülern weit überlasteten Schule neue räumliche Kapazitäten zur Verfügung zu stellen.

Im Zuge unserer Gespräche und Diskussionen, u.a. mit James Wemegah und Emmanuel Akafiah, den beiden Beisitzern unserer „Foundation“ entstand sodann die Idee, einen „Book Shop“ bzw. eine veritable Bibliothek zu bauen. Eine solche könne helfen, die Alphabetisierung in der Region voranzutreiben. Die einzigen öffentlichen Bibliotheken in der gesamten „Western Region“ finden sich in Sekondi-Takoradi und in Essiama. Kleinere Orte wie Aboadze verfügen grundsätzlich über keine solche Einrichtungen.

Mit diesen beiden Vorschlägen, dem Wiederaufbau der verfallenen Schulblöcke sowie dem Bau einer Bibliothek, konfrontierten wir tags darauf den „Chief“/Häuptling sowie die „Elders“/den Ältestenrat. Nach kurzer interner Diskussion entschieden sich die Meinungsführer des Dorfes einhellig für den Bau einer Bibliothek. Die Gemeinde verspricht sich davon nicht nur eine nachhaltige Unterstützung und Motivation der ortsansässigen Schüler, sondern sieht gerade auch einen immensen Nutzen für sämtliche Bewohner von Aboadze. Nach der mir spürbaren Beurteilung der Ältesten, ist es für die Dorfgemeinschaft ein höchst motivierendes Signal, wenn ihnen die Möglichkeit geboten wird, kostenfreien Zugang zu Literatur zu erhalten. Ein solcher besteht grundsätzlich nicht. Für die Schüler bedeutet die Möglichkeit, in einer Bibliothek das Arbeiten und Recherchieren zu lernen, einen entscheidenden Gewinn in ihrer Ausbildung. Insbesondere der Vorbereitung auf ein Studium dürfte eine solche Option dienen.

Unbürokratisch beschlossen wir sodann, das Zusammentreffen postwendend auf dem Schulgelände fortzusetzen, um einen geeigneten Bauplatz für die Bibliothek zu finden. Nach etwa zehn Minuten war mit einem zentralen Standort direkt neben dem Tor zum Schulgelände eine ideale Örtlichkeit gefunden. Nach den üblichen Zeremonien rund um den nunmehr verabredeten und besiegelten Neubau, bat Joseph noch am selben Abend, den „Contractor“/Bauunternehmer zu uns zum Essen. Gemeinsam besprachen wir die Maße und Bauweise, die beim Bau der Bibliothek Anwendung finden sollten. Am nächsten Tag wurde der Bau vermessen und schließlich auch der Kostenvoranschlag besprochen und vereinbart.

Sämtliche Arbeiten, auch die Lohnkosten, mit eingeschlossen wird der Bau umgerechnet ca. 25.000 € kosten. Er wird so konzipiert sein, dass er, neben sanitären Einrichtungen, 15 bis 20 Arbeitsplätze bietet. Auch ein Bibliothekar, der voraussichtlich von der Gemeinde bezahlt werden wird, soll dort seinen Arbeitsplatz erhalten. In Gestaltung und Bauweise orientiert sich der Neubau an den bereits bestehenden Schulblöcken auf dem Gelände der Gemeindeschule. Die Grundsteinlegung erfolgt im Beisein des Häuptlings sowie des Vizedirektors der regionalen Schulbehörde noch am Sonntag, den 16.8.2015 vor meiner Abfahrt. Vereinbarter Fertigstellungstermin ist der 16.2.2017, dies entspricht einem Fertigstellungszeitraum von 18 Monaten.

Der seitens der Foundation beauftragte Bauunternehmer hat von mir am 14.8.2015 eine Anzahlung in Höhe von 5.000 US-$ erhalten. Damit bleiben ca. 20.000 € seitens der Foundation zu finanzieren. Einen Teil dieser Summe werden meine Mutter und ich aus unseren privaten Mitteln aufbringen. Die restlichen ca. 10.000 € sollen möglichst über Crowdfunding bzw. sonstige Privatspender eingeworben werden. Zu diesem Zwecke wird in den kommenden Monaten, spätestens bis zur Vorweihnachtszeit, ein Projektvideo erstellt werden – entsprechende Filmaufnahmen wurden bei meinem Aufenthalt in Ghana bereits gemacht.

Ansprechpartner Ghana: Joseph Amissah, James Wemegah, Emmanuel Akafiah (allesamt MaxMaria Foundation)

Ansprechpartner Deutschland: Frauke-Maria Oehl, Maximilian Oehl (beide MaxMaria Foundation)

Kooperationspartner Ghana: Gemeinde Aboadze, Schulbehörde Ahanta-West District

Kooperationspartner Deutschland: Wunschträume/Netzwerk für Mädchen- & Frauenprojekte e.V.

Telefon-Nummer: 089 – 30 77 88 03

Email: RAFMOehl@aol.com