Rundbrief Juli 2026

Wunschträume-Rundbrief im Juli 2026

Liebe Netzwerk-Unterstützerinnen und -Unterstützer,

vom 23.-30. Juni habe ich unsere Projekte in Burkina Faso besucht. Keine ganz einfache Reise, doch viele berührende Momente. Einer der fröhlichsten Besuche war der in der Rollstuhl-Werkstatt von AMPO.

Weil da neben Rollstühlen auch immer wieder kleine Figuren aus alten Zündkerzen und Schrott hergestellt werden, hatte ich einen Sonderauftrag dorthin gegeben, nämlich den, anhand eines Fotos kleine Wattführer für das 30-jährige Jubiläum des ‘Blauen Klassenzimmers‘ in Cuxhaven, herzustellen. Das Resultat zeigt das obige Foto.

Gemeinsam mit Katrin Rohde und Rakieta Poyga holte ich die Wattführer an Tag 3 meiner Reise in der Werkstatt ab. Als kleines Dankeschön hatte ich einen Fisch aus Treibholz mit Barthaaren aus blauen Fischernetz-Fasern für den Künstler im Gepäck. Die Freude auf beiden Seiten war riesengroß. Jacques strahlte über den Fisch, ich über die Wattführer, die nach meiner Rückkehr am Jubiläumstag in Cuxhaven gleich alle ihren neuen Besitzer fanden und der Rollstuhl-Werkstatt eine beachtliche Spende einbrachten.

So haben auf diese Weise gleichzeitig einige Menschen im Binnenstaat Burkina Faso über das Weltnaturerbe Wattenmeer erfahren und, dass man dort mit einem Spezial-Rollstuhl auch über den Meeresgrund geschoben werden kann.

Einer der Hauptgründe meiner Reise war unser großes ‘Flying 8-Webprojekt‘, für das Andreas Möller, der Entwickler dieses besonderen Webstuhls, eigens für eine nochmalige Fortbildung von 8 Weberinnen nach Ouagadougou gereist war.

Alle Webstühle sollten noch einmal genauestens überprüft und dabei mögliche kleinere und vielleicht auch etwas größere Fehler bei der Einrichtung ausgemerzt werden, bevor dann tiefer in die neue Webtechnik und neue Designs eingestiegen werden konnte.

Auch gab es anfangs noch Probleme mit den Räumlichkeiten, an denen die Fortbildung stattfinden sollte, und so mussten nach den ersten Tagen alle Webstühle in den Wend Raabo Schulkomplex umgezogen werden. Doch dann lief es perfekt.

Die eifrigen Weberinnen waren hoch motiviert und hatten sich durch nichts aus der Ruhe bringen lassen. Sie wollten einzig die neue Technik lernen und weiterkommen im wunderbaren Handwerk des Webens.

So sind am Ende wunderschöne Muster und Stoffe entstanden, die auf der kleinen Abschiedsfeier aufgehängt für alle Projektleiter zu bestaunen waren. Jede Weberin erhielt ihr Zertifikat überreicht…

… und Andreas hatte einer jeden aus der ersten ‘Meterware‘ eine Tasche nähen lassen.

Ein ganz besonderer Dank gilt der tollen Übersetzerin Josiane, die unermüdlich drei-sprachig: Deutsch, Französisch und Mooré hin- und herübersetzt hat

…und das wirklich immer mit einem Strahlen.

Die Kindergarten- und Schulbesuche fanden diesmal in aller Stille statt, denn Juni, Juli, August sind Ferienmonate in Burkina Faso. Ein Grund mit, warum die Weberinnen so ungestört in Wend Raabo arbeiten konnten.

Die Straßen-Bauarbeiten vor dem Schulkomplex sind gewaltig. So schiebt sich der gesamte Verkehr momentan über eine noch verbliebene buckelig-löchrige Sandpiste an der im Bau befindlichen Ladenpassage vor Wend Raabo vorbei. Doch ein paar Geschäfte sind bereits fertig und in Betrieb genommen.

Dabei sticht ein Laden besonders hervor, den sein stolzer Besitzer Kaboré Abdul Rasmane mir auch von innen zeigt. Ich muss gestehen, einen so gut sortierten und sauberen Laden hatte ich bislang in Burkina Faso noch nicht gesehen. Voller Stolz führt mich der 39jährige vierköpfige Familienvater durch die gut gefüllten Regale.

Gleich ums Eck herum ein kleines Geschäft für Handy-Zubehör. Betrieben von einem ehemaligen Wend Raabo-Schüler.

Eine Ladenpassage zwischen Straße (die sogenannte RN 4 soll 2028 fertig sein) und Schulkomplex entstehen zu lassen, war eine glänzende Idee von Sidiki Belem.

Meine ‘Gartenbesuche‘ mit Rakieta Poyga im Garten der Hoffnung und bei den Zemstaaba-Frauen waren wie jedes Mal hocherfreulich und beinahe paradiesisch, denn um diese Jahreszeit ist es einfach grün in Ouagadougou.

Madame Solange Bembomba, die Hebamme, die jeweils Donnerstagnachmittag im NALA-Haus am Stadtrand Ouagadougous, sowie Samstagvormittag im ABN-Gebäude Mädchen und Frauen medizinisch berät, leistet überzeugende Arbeit.

Im Jahr 2018 wurde das sogenannte ‘gynäkologische Zentrum‘ durch unseren Verein ins Leben gerufen. Seither konnten mehr als 2.000 junge Mädchen und Frauen direkt unterstützt werden. Von Januar bis Juni dieses Jahres kamen bereits 276 Frauen zur Unterstuchung. 23 von ihnen mussten aufgrund von Verdacht auf Gebärmutterhalskrebs zur Weiteruntersuchung geschickt werden.

Wie alle Menschen, die ich auf dieser Reise getroffen, und mit denen ich gesprochen habe, berichtet auch Madame Bembomba begeistert von ihrer Arbeit.

In die im Norden gelegenen Dörfer Youba, Sananga, Lilligomdé und Pétessiro kann ich nach wie vor aus Sicherheitsgründen nicht reisen, so dass mir auch diesmal jeweils eine kleine Delegation von dort wieder entgegengekommen ist.

Drei aktive Frauen aus Pétessiro traf ich bei Projektleiter Mamoudou Savadogo auf seiner kleinen Farm in Ziniaré, einem Vorort von Ouagadougou. Ihr größter Wunsch ist natürlich, endlich in ihr Dorf zurückkehren zu können. Das wird vermutlich noch lange dauern.

Mit fünf Frauen und Männern aus den anderen Dörfern sprach ich bei Sidiki Belem im Schulkomplex Wend Raabo. Von ihnen erfuhr ich, dass sich fünf Frauen aus Youba sowie jeweils drei aus Sananga und Lilligomdé rote Niger-Ziegen wünschen. Das ist eine besondere Rasse, die sehr viel nahrhafte Milch gibt und zweimal im Jahr 5-6 Junge bekommt. So wünscht sich jede Frau 3 Ziegen: 1 männlliche und 2 weibliche. Eine Ziege kostet umgerechnet rund 92 €.

Drei Frauen aus Pétessiro Gruppe aus Youba, Sananga, Lilligomdé

Mein Besuch bei den ausgestoßenen Frauen im Centre Delwendé war auch diesmal wieder sehr berührend. Sie begrüßten Rakieta und mich mit einem Willkommenslied und bedankten sich für die beiden wunderbaren Konzerte, die wir ihnen durch die Musikschule Ouagadougou ‘geschenkt‘ haben.

Zur Zeit leben 144 Frauen und 2 Männer im Zentrum. Es waren schon mal mehr. Einige wenige konnten zu Familienangehörigen wie Nichten oder Enkelkinder zurückkehren.

Baumwollkämme wie hier auf dem rechten Foto wurden dringend benötigt. Wir lassen Geld da, damitt umgehend 20 Paar gekauft werden können.

Die Freude ist riesengroß. Ebenso wie über die Zusage, dass es auch bald wieder ein Konzert geben wird.

Nach einer mehr als ausgefüllten Woche bin ich voller Impressionen, Bilder, Gedanken und Ideen nach Deutschland zurückgekehrt, die alle sortiert und bearbeitet werden wollen.

Ich hoffe, ich konnte Ihnen einen ersten Eindruck vermitteln.

Jetzt laufen die Vorbereitungen für die Foto-Ausstellung ‘Menschen in Burkina Faso‘, die hier in Cuxhaven vom 1. bis 22. September in der Stadtbibliothek statrtfinden wird, auf Hochtouren.

Dazu gibt es unter der Schirmherrschaft von Udo Brozio am 3. September um 18.00 Uhr eine Vernissage mit Versteigerung dreier Segelschiff-Modelle, sowie am 10. September um 17.00 Uhr unter der Schirmherrschaft von Mathias Christian Kosel eine musikalische Veranstaltung ‘Musik kennt keine Grenzen‘ mit Live-Auftritt der Sunset Chords Junior, dem Unterstufenchor des Amandus-Abendroth-Gymnasiums.

Sehr herzliche Einladung an alle Cuxhavenerinnen und Cuxhavener wie alle möglichen Cuxhaven-Besucherinnen und -Besucher.

Im August ist Sommerpause, der nächste Wunschträume-Rundbrief kommt dann im September.

Ich wünsche Ihnen allen einen wunderschönen Sommer und bin

mit herzlichen Grüßen

Ihre Kathrin Seyfahrt

Wunschträume/Netzwerk für Mädchen- & Frauenprojekte e.V.

Website: www.netzwerk-wunschtraeume.de – E-Mail: netzwerk-wunschtraeume@web.de

(Steuer-Nr.: 143 / 224 / 60660)

Spendenkonto: ‚ Netzwerk Wunschträume

IBAN: DE24 7002 0270 0036 2636 44 – BIC: HYVEDEMMXXX HypoVereinsbank
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