Marina Burkina – Projektreise nach Ouagadougou vom 13. bis 22. Oktober 2018

Was es mit dieser “Dame“ auf sich hat, davon später.

Am späten Nachmittag des 13. Oktober landen wir – meine Mitreisenden Ralf, Jan, Angela (aus Hamburg), Andrea (aus München) sowie Susanne und Jacoba (aus Bonn) und ich – in Ouagadougou, der Hauptstadt Burkina Fasos‘. Beim Verlassen des Flugzeugs schlägt uns bereits die, für diese Jahreszeit ungewöhnliche Hitze entgegen. Das Thermometer zeigt 35° und die Regenzeit scheint noch immer nicht zu Ende.

Die Einreiseformalitäten nehmen die übliche Zeit in Anspruch mit Fingerab-Scan, Gesichtskontrollen und Stempeln. Dann das Warten auf‘s Gepäck. Glücklicherweise sind alle unsere Koffer mitgekommen, und ihr Inhalt scheint diesmal auch keinen zu interessieren.

Sidiki, Mamoudou, Boureima –die drei treuen Seelen erwarten uns bereits. Welche Freude, sie gesund wiederzusehen! Alles Gepäck schnell in den Autos verstaut, verlassen wir rasch das Flughafengelände und beziehen wenig später unsere Quartiere im Gästehaus von AMPO und in einer nahegelegenen Missionsstation.

Nach kurzer Lagebesprechung und Planung der nächsten Tage verlassen uns unsere burkinischen Freunde und wir verbringen den ersten Abend bei einem leckeren Essen im vertrauten AMPO-Restaurant.

Der folgende Sonntag verläuft ruhig. Nach einigen kleineren Besprechungen bezüglich des Wochenprogramms können wir alle erst einmal richtig in Burkina Faso ankommen. Am Abend stoßen Fadumo und Walter Korn mit ihren beiden Mitreisenden Karin und Radmila zum Abendessen zu uns. Die vier sind in eigener Projektsache unterwegs und bleiben noch bis Mittwoch, den 17. in Ouagadougou.

Montag, der 15. Oktober ist ein großer und bedeutsamer Tag für Wend Raabo. Um 10.00 Uhr wird hoher Besuch erwartet: Der neue deutsche Botschafter, Herr Ingo Herbert, kommt zur Feier der 15-jährigen Zusammenarbeit von Wunschträume und dem Schulkomplex. Nach dem Hissen der burkinischen und deutschen Flagge und Singen beider Nationalhymnen folgt ein Rundgang durch die Schule mit Besichtigung der Bibliothek und des Informatikraums, des Kindergartens, des Ausbildungszentrum für Mädchen und der Krankenstation. Der Botschafter zeigt sich beeindruckt, was er in seiner Ansprache in der anschließenden Feierstunde auch zum Ausdruck bringt. Auch Schuldirekter Sidiki Belem, ein Lehrer, sowie ein Elternvertreter und ich sprechen einige Worte zum Jubiläum. Zwischen den Reden gibt es musikalische und tänzerische Darbietungen einiger Schülerinnen und Schüler. Abschließend folgen ein paar Interviews für einen kleinen TV-Beitrag (Sie können ihn demnächst auf unserer Homepage ansehen).

Nach zweistündigem Besuch wird unser Team von Ingo Herbert zu einem Mittagessen am Mittwoch in die Botschafterresidenz eingeladen. Welche Ehre!

Sidiki hat für uns einen kleinen Mittagslunch vorbereiten lassen, den wir in den Räumen der Bibiliothek einnehmen.

Um 14.00 Uhr folgt eine Gesprächsrunde mit Vertreterinnen und Vertretern aus den Dörfern Youba und Sananga, in welchen Wunschträume/Netzwerk für Mädchen- & Frauenprojekte e.V. insbesondere die Arbeit/Ausbildung der Frauen unterstützt. Zunächst wird uns für die Förderung von Brunnenbau, Materialbeschaffung für die Weberinnen, Ausbildungskurse, etc. in den zurückliegenden Monaten und Jahren gedankt. Danach werden weitere Wünsche vorgetragen. Diese reichen von einem ‘bescheidenen‘ Esel samt Karrens (Kostenvoranschlag 395 €), über eine Mühle für Karité-Nüsse (Kostenvoranschlag 3.511 €), die Einzäunung eines Hektars Gartengeländes (Kostenvoranschlag 5.343 €), bis zu einer weiteren Mühle (ebenfalls 3.511 €), und einem Brunnen (Kostenvoranschlag 8.400 €) für eine – für uns neue – Frauengruppe in Ouahigouya.
Ich versuche klarzumachen, dass eine weitere Frauengruppe für Wunschträume momentan leider nicht finanzierbar sei, und dass wir sehen müssten, was im kommenden Jahr 2019 machbar ist. Zu den Wünschen der Dörfern Youba und Sananga sollten ja auch noch die der Dorfbewohner von Pétessiro kommen, sowie all jene des Schulkomplexes Wend Raabo.

‘Vermeidet Müll‘ und ‘Schützt die Umwelt‘ steht auf den beiden Tafeln der Skulptur ‘Marina Burkina‘ Wir hoffen, dass das Projekt Früchte tragen wird…..

Susanne und Jacoba hatten ein ‘Kunstprojekt‘ zum Thema ‘Müllvermeidung‘ geplant und bestens vorbereitet. Zusammen mit einer Gruppe von 20 Wend Raabo-Jugendlichen wollten sie auf dem Schulhof eine Skulptur bauen und errichten, die auf die Müllproblematik aufmerksam machen soll. Noch an diesem Montag wurden die ersten Stangen für die Skulptur in den Boden gerammt. Im Laufe der Woche entsteht in etlichen Stunden des Müllsammelns, Auswaschens, Sortierens und Bemalens die Skulptur, der die Mädchen den Namen ‘Marina‘ verleihen. Und da diese Marina nun einmal in Burkina Faso steht, wurde daraus die eingangs erwähnte Dame ‘Marina Burkina‘.

Susanne sagt: „Ein Erlebnis hat mich besonders beeindruckt. Für Marina Burkina wollten Jacoba und ich selbstverständlich nur Müll vom Wend Raabo Schulkomplex verwenden. Also wanderte ich am ersten Tag mit einem Eimer über den Schulhof um einige Abfallteile aufzulesen, die als Beispiel dienen sollten. Wir wollten die Kinder am nächsten Tag dazu motivieren, für das Kunstprojekt auf dem Schulhof Müll zu sammeln. Ich blieb jedoch mit meinem Eimer nicht unbemerkt und nach einer Viertelstunde hatte ich etwa vierzig eifrige Helfer um mich herum und schließlich drei große Eimer und einen Sack voll Müll: Plastikflaschen, Dosen, Tüten, Verschlüsse und ein paar Kuriositäten. Am nächsten Tag wurde der gesammelte Müll gewaschen, bunt angemalt und die farbigen Verschlüsse auf Seile gefädelt.
Das Beste war, dass die Kinder immer mehr staunten, was aus dem Müll entstand. Plötzlich war es kein Abfall mehr, sondern ein Rohstoff, mit dem man tolle Dinge herstellen konnte. Manche Kinder schienen zum ersten Mal zu realisieren, dass man nicht einfach alles auf den Boden schmeißen muss. In den nächsten Tagen, als Marina Burkina immer mehr Gestalt annahm, sah man häufig Kinder gedankenverloren und staunend davorstehen. Zweck erfüllt, Botschaft angekommen und viel Spaß gehabt.“

Der nächste Tag ist vormittags Wend Raabo gewidmet, der Nachmittag dem Schlingensief Operndorf. Jenes Projekt, das wir jedes Mal, wenn wir in Burkina Faso sind, besuchen, um uns zu informieren, was dort läuft bzw. nicht läuft, da wir immer wieder in Deutschland nach dem ‘Schlingensief-Operndorf‘ befragt werden.

Es wird ein wenig gebaut auf dem Gelände – zusätzliche Klassenräume, wie man uns erklärte – und in den Klassenzimmern findet Unterricht statt. Vor der Krankenstation warten zwei Patientenfamilien; die Moto-Ambulance ist inzwischen nicht mehr fahrtüchtig, ihr fehlt zumindest Tank und Sattel. Die 10 farbigen Container stehen noch immer ungeöffnet auf dem Gelände. Was soll man erzählen…?
Radmila –Gitarristin im Bayerischen Staatsorchester – spielt ein kleines halbstündiges Konzert für die Schulkinder, deren Lehrer und uns. Es ist schön, ihrem Musizieren zu lauschen.

Um 18.00 Uhr hat sich Hippolythe Ouangrawa, der große burkinisch-international bekannte Schauspieler – genannt ‘Babonga‘ (der Esel) – angekündigt, zu AMPO zu kommen. Susanne kennt ihn seit fünfundzwanzig, ich seit etwa acht Jahren. Außerdem ist es der letzte Abend von Walter, Fadumo, Karin und Radmila. Gemeinsam essen wir bei AMPO.

Mittwochvormittag sind wir wieder in Wend Raabo und mittags beim Empfang in der Residenz des Botschafters.
Ein weiterer Botschaftsmitarbeiter, Herr Sattler, seine Gattin, sowie die Assistentin von Ingo Herbert, Frau Isidore-Osterried speisen ebenfalls mit uns. Ein sehr kurzweiliger, reger Austausch bei einem köstlichen Essen.
Am Ende unseres Besuches schreiben wir uns ins Gästebuch ein und verabschieden uns herzlich dankend. Für mich persönlich waren die Begegnungen und Gespräche mit dem Botschafter die Highlights dieser Reise.

Von der Botschafterresidenz geht die Fahrt etwas raus aus der Stadt, vorbei an Wend Raabo und am Operndorf, hin zu ‘Terra Verde‘ und seinem Gründer Melchior Landolt.

Es ist immer wieder beeindruckend für alle, wenn Melchior über sein Projekt und seine Visionen spricht. Zusammen mit dem burkinischen Bauern-Verein ALCD kämpft sein deutscher Förderverein Terra-verde e.V. um die Begrünung von Burkina Faso. Er sagt: „Allein und zusammen mit Partnern haben wir bis jetzt knapp 2 Millionen € für die Bauern mobilisiert und davon über 600.000 EUR selber umgesetzt. Damit konnten insgesamt über 5.000 Bauernfamilien einen Teil ihrer Ackerfläche mit Kontursteinmauern verbauen. Ein stolzer Betrag, aber er reicht nicht aus, die gesamte Nachfrage der Bauern abzudecken. Das gemeinsame Ziel der beiden Vereine ist, die politischen Entscheidungsträger in Burkina Faso und internationale Geberorganisationen zu überzeugen, sich wieder verstärkt für Boden- und Wasser- konservierende Maßnahmen zu engagieren. Bis dieses Ziel erreicht ist, führen Terra-Verde und ALCD alleine oder zusammen mit Partnern kleinere und größere Vorhaben durch.“
Am Donnerstagmorgen ist ein Besuchstermin bei BangrNooma, der örtlichen Organisation von Rakieta Poyga anberaumt. Wir bekommen eine Führung durch die Ausbildungsstätten der Schneiderinnen, Schlosser, Schweißer und Elektriker. Es ist immer wieder beeindrucken mit welcher Ordnung und Sauberkeit hier gearbeitet wird.
Während sich Jan, Angela und Andrea mittags verabschieden, um einen Besuchstermin im Charles de Gaulle-Kinderhospital wahrzunehmen, bleiben wir noch für ein Gespräch und einen kleinen Lunch in der Beratungsstelle für Frauen bei BangrNooma und fahren anschließend weiter zu Wend Raabo.
Dort habe ich einen Ortstermin mit Salif, einem Bauherrn und Schreiner. Er soll mit dem Bau von Regalen und Kleinmöbeln für die Krankenstation und das kleine Waisenhaus beauftragt werden.
Susanne und Jacoba arbeiten derweil mit den Kindern weiter an ihrer Skulptur.
Als wir am späten Nachmittag alle wieder bei AMPO eintreffen ist jeder erfüllt von den Erlebnissen des Tages.
Jan, Angela und Andrea erzählen begeistert von ihrem Besuch im Krankenhaus. Sie sagt: „Obwohl ich alle von Wunschträume unterstützten Projekte schon häufiger besucht habe, finde ich es jedes Mal wieder schön, wenn ich Gelingen und Fortschritt beobachten kann. Diesmal hat mich persönlich jedoch unser Besuch in der Universitätskinderklinik Charles de Gaulle ganz besonders berührt. Es ist bewundernswert, wie sich die Ärzte, Pfleger und Laboranten für ihre kleinen Patienten einsetzen und mit welchen – in unseren europäischen Augen – oft unzureichenden Mitteln sie hervorragende und engagierte Medizin leisten. Dieses Krankenhaus und seine Mitarbeiter verdienen alle nur mögliche Unterstützung!“

Am Freitagvormittag ist ein Besuch in der Schule ‘Humanitaire Wend Songda’ von Tasséré Derra geplant, der seine Schule ähnlich dem Modell von Sidiki Belem erbaut hat mit Kindergarten, Grund- und höherer Schule. Unterstützt und gefördert wird Tasséré Derra dabei auch aus Deutschland und der Schweiz. Er, Sidiki Belem, Mamoudou Sawadogo und Rakieta Poyga kennen sich inzwischen sehr gut und können sich ggfs. mit Rat und Tat austauschen und helfen. Genau das ist mir immer wichtig gewesen, dass sich Vorort-Organisationen kennenlernen und gegenseitig unterstützen. Erfreulicherweise klappt das sehr gut.
Mit einem Erste-Hilfe-Kasten für die kleine schuleigene Sanitätsstation, einem Handball und 150 Euro als Gastgeschenk bereiten wir Tasséré Derra sichtlich große Freude.

In einem Gartenlokal essen wir gemeinsam köstliches Knoblauchhuhn mit Pommes, bevor wir nochmals zum Schulkomplex Wend Raabo fahren, wo Jacoba und Susanne ihre Skulptur weiter vervollständigen. Wir anderen besprechen mit Sidiki, was in der Schule und Krankenstation benötigt wird, während sich Jan und Andrea um den Jungen kümmern, der dringend zu einer Augenuntersuchung muss.
In der Krankenstation müssen unbedingt Moskitonetze an den Fenstern angebracht werden (Kostenvoranschlag: 435 €), die Apotheke und das Labor benötigen Regale und einen Tisch (Kostenvoranschlag: 1.227 €), für das neue zusätzliche Gebäude müssen 6 Betten, sowie Schreibtisch, Stuhl und ein Büroschrank gekauft werden (Kostenvoranschlag: 1.140 €).
Im Waisenhaus fehlt ein Schattenplatz für die Kinder zum Lernen, Essen und Ausruhen. Hier soll ein Hangar gebaut und zwei große Tische mit vier Bänken dazu angeschafft werden (Kostenvoranschlag: 690 € plus 548 €).
Das Geld für diese beiden Maßnahmen ist bereits überwiesen, damit beides so schnell als möglich umgesetzt werden kann.

Den größten und schwierigsten Posten dürfte auch in diesem laufenden Schuljahr 2018/2019 wieder die Schulspeisung darstellen. Da diese für alle 1.176 Schülerinnen und Schüler nicht mehr zu stemmen ist, haben wir sie auf Mahlzeiten für die Kindergartenkinder (pro Kind/Tag 1,15 €) und Grundschulkinder (pro Kind/Tag 0,30 €) reduziert.
Für den ersten der neun Schulmonate waren noch ausreichend Lebensmittel vorhanden. Für die weiteren acht Monate werden 8.244 € für den Kindergarten und 22.277 € für die Grundschule benötigt = insgesamt: 30.522 €.
Wunschträume/Netzwerk für Mädchen- & Frauenprojekte e.V. kann 10.522 € derzeit selbst aufbringen.

Des Weiteren berichtete Sidiki Belem, dass der Staat, bzw. die Stadt, ungefähr 200 Schülerinnen und Schüler zwangsweise an seine Schule zum Unterricht schickt (wen wundert’s, die Wend Raabo Schule genießt als Privatschule einen sehr guten Ruf), aber – obwohl er es eigentlich müsste – kein Schulgeld bezahlt. Sidiki muss von den Einnahmen aus dem Schulgeld alle Lehrergehälter, die Kosten für die Verwaltung, Reparaturen, Steuern, usw. bezahlen. Derzeit fehlen 12.203 €, für die er ein Bittgesuch an Wunschträume/Netzwerk für Mädchen- & Frauenprojekte e.V. geschrieben hat. Auch hierfür suchen wir dringend Unterstützer. Der Schulbetrieb sollte in seiner gewohnten Form ungehindert fortgeführt werden.

Das Ausbildungszentrum für Mädchen am Wend Raabo Schulkomplex bittet um Unterstützung für weitere Nähmaschinen, 3 Zuschneide-Tische, Bügeleisen, Stoffe, Knöpfe, Maßbänder, etc. (Kostenvoranschlag angefordert; z.B. 1 Nähmaschine kostet rund 150 €).

Manchmal erschlagen mich die vielen Kosten und verursachen schlaflose Nächte. Irgendwie geht es aber doch immer weiter.

Am Samstag – wir sind nun schon seit einer Woche in Ouagadougou, haben unendlich viel erlebt und das Gefühl, wir seien seit Wochen unterwegs – geht es früher als an den anderen Tagen los, denn das Programm ist wieder sehr dicht. Zunächst steht ein Besuch des gynäkologischen Zentrums bei BangrNooma an. Rakieta Poyga begleitet uns an diesem Tag.
Jeden Samstag kommt die Hebamme, Madame Salambanga – sie arbeitet normalerweise im städtischen Krankenhaus von Ouagadougou zu BangrNooma untersucht und berät junge Frauen, welche dort kostenlos behandelt werden.
Das gynäkologische Zentrum war ein Wunschtraum von BangrNooma und wurde von Wunschträume/Netzwerk für Mädchen- & Frauenprojekte e.V. in diesem Jahr eingerichtet. Es wird künftig mit jährlich 1.500 € unterstützt werden.
An diesem Vormittag sitzen unten im Wartebereich einige Frauen, oben warten bereits zwei junge Ehepaare auf Beratung. Sie erzählen uns, wie dankbar sie für diese Einrichtung sind. Beide Frauen befinden sich in ihrer ersten Schwangerschaft.

Von BangrNooma geht es weiter zu den Zemstaaba-Gartenfrauen, die im Frühjahr dieses Jahres eine solarbetriebene Wasserpumpe bekommen haben. Diese gilt es zu begutachten. Man berichtet uns, wie glücklich die Frauen über diese Errungenschaft seien, wie sich die Arbeit gerade für die älteren unter ihnen erleichtert habe und wie gut die Pumpe arbeite. Im Gartengelände befinden sich noch zwei, drei Ziehbrunnen, die nachgebohrt werden müssen, damit sie nicht versiegen. Ferner bitten die Frauen um Unterstützung für die Anschaffung von Saatgut, Gießkannen und einigen Gerätschaften. Symbolisch überreichen wir einen Scheck über 1.000 €, die wir dank einer treuen Spenderin bei unserem Besuch fest zusagen können.
Die Frauen fragen nach Udo Brozio, dem Sänger und Chorleiter, der im vorigen Jahr bei unserem Besuch dabei war. Als ich seine Grüße und Wünsche überbringe, stimmen sie sogleich ein Lied für ihn an. Sie hoffen auf seinen neuerlichen Besuch im nächsten Jahr.

Jan und Angela hat der Besuch bei den Gartenfrauen besonders berührt, sie schreiben: “Nach Ankunft bei den Frauen, gab es zunächst eine kurze Führung durch ihren Garten. Zwischen Bäumen, Sträuchern, Gemüse und Salat waren kleine Wege, auf denen immer mehr Frauen zusammen trafen. Während wir durch den Garten gingen, erzählten sie uns, dass sie das Gemüse und den Salat wunderbar auf dem Markt verkaufen können. Durch den Verkauf können sie ganz gut leben und sogar ein Kind in die Schule schicken.
Danach zeigten sie uns stolz ihre neu installierte Solaranlage für den Brunnen, der mit Schläuchen zwei Wasserstellen füllt. Somit müssen sie nicht mehr jede einzelne Gießkanne mit Wasser füllen und so weit tragen.
Jetzt haben sie eine Art Bewässerungssystem für den Garten und die Stromkosten von ca. 50€ pro Monat, für ca. 50 Parzellen fallen weg.

Zum Schluss trafen wir uns unter einen Pavillon um über ihr Befinden und ihre Probleme zu sprechen. Zwei Frauen standen auf und fingen spontan an zu singen, zu klatschen vor Freude zu tanzen. Und es wurden immer mehr. Es hat uns zu Tränen gerührt, dass sie so glücklich und zufrieden über die neue Errungenschaft waren.“

Der anschließend geplante Besuch im Centre Delwendé muss aus zeitlichen Gründen verschoben werden, denn um 14.00 Uhr soll die Delegation aus Pétessiro zu uns zu AMPO zum Gespräch kommen.

Rund 20 Männer und Frauen, dazu ein paar Kinder, kommen uns erneut nach Ouagadougou entgegen, da wir aus Sicherheitsgründen nicht nach Pétessiro, das nahe der Grenze zu Mali gelegen ist, reisen dürfen. Da die meisten Dorfbewohner kein oder nur unzureichend Französisch sprechen, hilft uns Rakieta mit Dolmetschen.

Der Anführer der Gruppe, die Frauenbeauftragte und einzelne Delegierte sprachen ihren großen Dank für die treue und gute Unterstützung in den zurückliegenden Jahren aus. Ja, Pétessiro habe sich zu so etwas wie einem modernen Dorf entwickelt. Dafür sei man sehr dankbar.
Aber…. – ich ahnte es – dann kommen die Bitten und Forderungen: am Brunnen sei etwas defekt, ebenso an der Solar-Installation in der Krankenstation. Etliche Solarlampen in den Familien funktionieren nicht mehr, man wünsche sich ein Moped eigens nur für den Krankenpfleger, und…, und…, und…

Bislang liegen keinerlei Kostenvoranschläge vor. Was die Solar-Anlage in der Krankenstation anbelangt, wird im November ein Fachmann aus Burkina Faso nach Pétessiro reisen und alles inspizieren. Die Finanzierung eines Mopeds wurde meinerseits sofort abgesagt.

Rakieta ist uns sehr hilfreich. Sie ruft die Leute aus Pétessiro zu etwas Mäßigung auf und macht ihnen klar, dass man, wenn etwas kaputt geht, nicht gleich Ersatz fordert, sondern erstmal einmal versucht, selbst zu reparieren oder das Dorf jemanden beauftragt zu reparieren.

Der Bau des Schüler-Wohnheims in Thiou geht gut voran. Vermutlich im Januar können die ersten Jugendlichen einziehen. Sie müssen dann nicht mehr täglich den weiten Weg per Fahrrad zurücklegen, der insbesondere für die Mädchen nicht ungefährlich ist.
Natürlich wurde auch hier der Wunsch einer Solar-Installation für Licht an uns herangetragen. Ein Kostenvoranschlag dafür soll/muss erstellt werden. Dann wird man sehen.

Die Animatricen/Animateure bitten um eine weitere Fortbildung/Supervision. Die Kosten für den 5-tägigen Kurs in der Hauptstadt belaufen sich auf etwa 1.200 €. Sobald der genaue Kostenvoranschlag vorliegt, werde ich einen Antrag bei NALA e.V. mit der Bitte um Unterstützung stellen.

Ich gebe zu, so viele Bitten und Forderungen sind nicht ganz einfach auszuhalten und frustrieren manchmal. ‘Hört das denn nie auf….?‘ stellt sich die Frage. Einige Stunden später wiederum kann ich die Menschen mit ihren Bitten verstehen. Es mangelt ja letztlich an so vielem.

Am folgenden Sonntag holt uns der Schauspieler Hippolythe ab, um uns sein ‘Theatre de l’Espoir‘, sein ‘Theater der Hoffnung‘ zu zeigen, ein Freilichttheater in einem armen Stadtviertel Ouagadougous. Dort gibt es nicht nur die Bühne, sondern auch Probenräume, ein kleines Studio und eine Bibliothek, wo man zum Lesen sitzen, sich aber auch Bücher ausleihen kann. Alles bestens organisiert und super sauber.

Es folgt ein kurzer Besuch bei Hippolythe zu Hause, um einen Erfrischungsdrink zu nehmen. Anschließend fahren wir ins Village artisanal, das Kunsthandwerkerdorf, in dem wir noch Kleinigkeiten für den demnächst bevorstehenden Weihnachtsbasar einkaufen.

Am Abend findet im AMPO-Restaurant das inzwischen traditionelle Abschieds-Diner für alle statt. 20 Personen waren es diesmal, und ich finde es immer wieder besonders schön, alle in irgendeiner Form engeren oder weiteren Partner oder Partnerorganisationen aus Deutschland und Burkina an einem Tisch zu haben:
Rakieta, Sidiki, Mamoudou, Boureima, Denis (von AMPO), das Gynäkologen-Paar Dr. Mariam und Dr. Yacouber, Melchior…… Inzwischen kennen sich die meisten, so ist die Atmosphäre locker und sehr entspannt. Und das leckere Essen vom AMPO-Chefkoch Adama trägt lukullisch zu einem gelungenen Abend bei.

Kurz nachdem alle gegessen hatten k0mmt ein Anruf – ein Hilferuf aus der Wend Raabo-Krankenstation, ob denn der Arzt aus Deutschland noch einmal kommen könne, ein Junge aus der Schule liegt in der Krankenstation und ist in einem sehr schlechten Zustand. Sidiki macht sich mit Jan und Andrea auf den Weg.

Wenig später verabschieden sich die Gäste, die sich alle für den schönen Abend bedanken.

Früher als erwartet kehren Jan und Andrea zurück. Der etwa 13jährige Patient war kaum ansprechbar, leidet an einer schweren Malaria und möglicherweise einer Meningitis. Er wurde zur weiteren Abklärung und Behandlung ins Charles-de-Gaulles
Hospital gebracht. Wie wir am nächsten Tag erfahren, geht es dem Jungen zu diesem Zeitpunkt bereits ein wenig besser.

Der nächste Tag – Montag, 22. Oktober – sollte unser Abreisetag sein. Susanne, Jacoba, Andrea und Angela besuchen gleich am frühen Morgen noch das Centre Delwendé, während wir schon mal unsere Koffer packen.
Andrea überreicht der leitenden Schwester Hortense symbolisch einen Scheck über 1.500 € für Lebensmittel und das Weihnachtsessen.

Um 11.00 Uhr trafen wir uns noch einmal alle in Wend Raabo, um die Skulptur Marina Burkina offiziell ‘einzuweihen‘ und abschließende Fotos zu machen. Es gibt noch eine kurze Diskussion, ein letztes ‘Schul-Essen‘, bevor wir am Nachmittag den Vorab-Check-in nutzen und unser doch sehr umfangreiches Gepäck schon mal zum Flughafen bringen und die Ausreiseformalitäten erledigten. All das verlief so wunderbar entspannt, aber da wissen wir auch noch nicht, was auf uns zukommen soll…..

Der Abflug ist für 21.30 Uhr festgelegt. Allerdings ist kein Flugzeug da…. Angeblich ein technischer Defekt…..

Also Kommando zurück: am Schalter einen Hotel-Voucher holen, die Koffer zurück und vor dem Flughafen auf den Shuttlebus zum Hotel warten…. Es hat immer noch 30° und wir sind nicht die einzigen betroffenen Passagiere.

Wir werden im ‘Palm Beach‘ untergebracht, einem der guten Innenstadt-Hotels mit Pool, Aircondition und einer Bar…. In selbiger sitzen wir dann endlich gegen 23.30 Uhr und versuchen bei einem Bier oder Wein das Beste aus der Situation zu machen.

Das Frühstücksbuffet am nächsten Morgen lässt es an nichts mangeln. Wir trödelen uns durch den Tag am Pool, beim Mittagessen, Ausruhen, denn um 16.00 Uhr hatte man uns gesagt, sollen wir wieder am Flughafen zum Check-in sein. Gleiches Spiel wie am Vortag, nur dass wir diesmal drei Stunden länger am Flughafen sitzen…

Als dann gegen 21.00 Uhr die Mitteilung kommt, dass auch an diesem Abend kein Flieger gehe, mischt sich in die anfängliche Geduld nun großer Ärger. Wie kann das angehen? Wir sind doch nicht mit einer afrikanischen Fluglinie unterwegs, nein, es ist eine europäische…. immerhin die Air Brussels…..

The same procedure as yesterday: am Schalter einen Hotel-Voucher holen, Koffer zurück, draußen auf den Shuttlebus warten. Diesmal sind wir im ‘Splendid‘ untergebracht – ein 4-SterneHotel.

Wir sind zeitlich zwar etwas früher dran als tags zuvor, aber die Stimmung ist doch etwas am Boden. Darüber kann auch das Bier nicht hinwegtrösten. Zumal wir noch gar nicht wissen, ob und wann es denn am nächsten Tag losgehen würde….

Darüber sollten wir morgens um 8.00 Uhr telefonisch Nachricht erhalten, die etwas später sogar kommt. Gegen 10.00 Uhr erfuhr ich dann per WhatsApp von meiner guten Reisebüro-Frau, dass wir um 21.30 Uhr auf die Mittwoch-Maschine gebucht seien.
So verbummeln wir einen weiteren Tag, um am Abend um 19.00 Uhr dieselbe Prozedur des Check-Ins ein drittes Mal zu durchlaufen.

Diesmal kommen wir schließlich weg, aber glauben können wir’s alle erst, als die Maschine in Ouagadougou abhebt.

So waren die erfüllten und ereignisreichen Tage durch die verzögerte Heimkehr etwas getrübt, doch den Erfolg der Reise wird diese nicht schmälern.

Wir sind alle gesund und voller Eindrücke heil wieder nachhause gekommen und werden in den nächsten Wochen viel zu erzählen haben.

Ich wünsche Ihnen allen, dass Sie gut durch die dunkle Jahreszeit kommen und würde mich sehr freuen, Sie demnächst bei einer unserer Wunschträume-Veranstaltungen persönlich über unsere Projekte informieren zu können.

Kathrin Seyfahrt
November 2018

Zeichnungen aus dem Tagebuch von Ralf