Rundbrief März 2022

 

Liebe Netzwerk-Freundinnen und -Freunde,

…und plötzlich leben wir in einer anderen Welt. Es herrscht Krieg in nächster Nähe.

Doch auch wenn der Krieg in der Ukraine derzeit wohl all unser Tun und Denken in irgendeiner Form überschattet, gehen gleichfalls unaufhörlich Kriege und Unruhen in Ost- und Westafrika weiter.

So hat mich Ende der vergangenen Woche die Nachricht unseres Projektleiters Mamoudou Sawadogo aus Burkina Faso erreicht, dass nahezu alle 48.000 Einwohner von Thiou ihre Stadt verlassen haben, geflohen sind vor den terroristischen Angreifern. Alle 40 Schüler*innen unseres Schülerwohnheims seien in Sicherheit bei ihren Eltern oder Anverwandten, doch der Wächter wurde traurigerweise durch einen Schuss getötet.

Wie viele Menschen noch getötet oder verwundet wurden, lässt sich im Moment nicht sagen, da alle Kommunikations- und Internetleitungen gekappt worden sind.

Als wären die 1,5 Millionen Binnenflüchtlinge im eigenen Land nicht schon genug gewesen, sind nun weitere annähernd 50.000 dazugekommen. Die meisten untergekommen bei Angehörigen oder in Flüchtlingszelten vor den Toren der Stadt Ouahigoya (etwa 200 km nordwestlich der Hauptstadt Ouagadougou).

Dringend benötigt für sie werden neben Grundnahrungsmitteln wie Mais, Reis und Öl, Matten und Decken, sowie Kleidung. Außerdem 1.000 l Polytanks für Wasser.

Natürlich haben auch die Menschen in Burkina Faso inzwischen vom Krieg mitten in Europa gehört, und dass dort ebenfalls jede Hilfe vonnöten sein dürfte. Dennoch bitten sie uns um Unterstützung, in der Hoffnung, dass sobald als möglich eine Rückkehr in ihre Dörfer und Städte, und damit in eine Normalität, möglich sein wird.

Ob die Gebäude in der Stadt, das Schülerwohnheim… unversehrt geblieben sind, wir hoffen es. Es heißt, es sei jetzt Militär in Thiou und versuche, die Terroristen zu bekämpfen und die Ordnung wiederherzustellen. Außerdem soll eine jede und ein jeder, der zurückkommt, genau überprüft werden, ob sie/er wirklich Einwohner*in von Thiou und/oder umliegenden Dörfern sei. Es soll verhindert werden, dass ‘Fremde‘ erneut vermeintliche Attacken planen und ausführen könnten.

Wir von Wunschträume/Netzwerk für Mädchen- & Frauenprojekte e.V. können nicht 48.000 Menschen auf einmal retten, aber wir werden unseren Teil zur benötigten Unterstützung leisten. Wenn Sie uns dabei helfen wollen, würde mich das persönlich sehr freuen.

‘Barka‘ – ‘Merci‘ – ‘Danke‘ auf diesem Weg schon einmal vorab.

Was kostet wieviel? Ein paar Beispiele:

  • 100 kg Mais kosten 30.000 fcfa (45 €)
  • 50 kg Reis kosten 22.500 fcfa (35 €)
  • 20 l Öl kosten ebenfalls 22.500 fcfa (35 €)
  • 10 Matten kosten 36.000 fcfa (55 €)
  • 10 Decken kosten 35.000 fcfa (53 €)

Was gibt es sonst noch zu berichten? Am 8. März ist Weltfrauentag. Für die Cuxhavener Nachrichten habe ich dazu einen Beitrag geschrieben, den ich Ihnen allen nicht vorenthalten möchte, und den ich Ihnen hier als Link zukommen lasse.

Für alle Münchner Spenderinnen und Spender möchte ich heute schon einen Termin vorankündigen: am Montag, den 2. Mai wird es um 20.00 Uhr in der Mariahilf-Kirche ein Benefizkonzert für unsere Projekte in Burkina Faso geben. Es singt die Munich International Choral Society (MICS) unter der Leitung von Mary Ellen Kitchens. Viele von Ihnen können sich bestimmt an das wunderbare Konzert des Chors 2019 in der Schwabinger Kreuzkirche erinnern.

Jetzt wünsche ich Ihnen und uns allen ein hoffentlich friedvolles und schönes Frühjahr. Bleiben Sie zuversichtlich und gesund.

Herzlichst

Ihre Kathrin Seyfahrt

 

Anlage

Noélie und Honorine haben es geschafft

Wenn Wunschträume wahr werden

Eine Erfolgsgeschichte zum Weltfrauentag

Vor mehr als hundert Jahren zum ersten Mal von der deutschen Frauenrechtlerin und Sozialistin Clara Zetkin initiiert, gilt der heutige 8. März als Internationaler Weltfrauentag.

Er ist in vielen Ländern ein Feiertag, in Deutschland jedoch nur in Berlin, das ihn 2019 zum gesetzlichen Feiertag erklärt hat.

“Wer diesen 8. März einmal in Afrika erlebt hat“, erzählt die Cuxhavenerin Kathrin Seyfahrt, Vorsitzende des Vereins Wunschträume/Netzwerk für Mädchen- & Frauenprojekte e.V., “der weiß hinterher, was und wieviel Frauenpower ist, und was sie bewirken kann.“

Im westafrikanischen Burkina Faso wurde durch ihren Verein im Oktober 2003 im Schulkomplex Wend Raabo am Stadtrand der Hauptstadt Ouagadougou ein Ausbildungszentrum für Mädchen eröffnet. Binnen einer dreijährigen Ausbildung lernen hier junge Frauen neben dem Schneiderhandwerk, dem Stoffe färben und der Seifenproduktion auch soziales und kaufmännisches Grundwissen. Schließlich träumen sie nicht nur davon eines Tages eine Familie zu haben, sondern auch beruflich und damit finanziell ein besseres Leben führen zu können als ihre Eltern.

Waren es anfangs nur einige wenige Schülerinnen, so stieg die Anzahl in den folgenden Schuljahren kontinuierlich an. Derzeit sind es 78 junge Frauen, die in drei Klassen unterrichtet werden. Genäht wird auf der guten alten ‘Singer‘-Tretmaschine. Die funktioniert nämlich auch bei den häufigen Stromausfällen, die es immer wieder gibt. Stoffe werden mit Natur- und/oder auch Industriefarben in unterschiedlicher Batik-Technik gefärbt oder bedruckt, und Seifen mit und ohne Duft-Essenzen in fester und in flüssiger Form hergestellt.

Natürlich träumt ein Großteil der Schülerinnen davon, einmal ein eigenes kleines Atelier oder einen Kosmetik-Salon zu eröffnen. Darum wünschen sich viele von ihnen nach bestandener Abschlussprüfung eine eigene Nähmaschine oder ein Seifenrührgerät. Einige haben es bis heute schon geschafft, sich eine richtige Existenz aufzubauen. Im besonderen die ehemalige Schülerin Noélie Zoétyenga. Die Alleinstehende betreibt heute ein eigenes Atelier. Je nach Arbeitsanfall, insbesondere zu großen Festtagen oder feierlichen Anlässen, beschäftigt sie bis zu drei junge Frauen zusätzlich. „Durchschnittlich verdiene ich um die 100.000 FCFA im Monat“ (umgerechnet etwa 153 Euro), erklärt Zoélie, „davon kann ich gut leben. Aber um nicht immer erst auf Aufträge zu warten, träume ich davon, eines Tages eine richtige Boutique mit einer Kollektion zu führen, in der die Kunden sozusagen von der Stange kaufen können.“ Zur Erfüllung dieses Wunschtraums müsste Zoélie einiges investieren für Stoffe und Materialien wie Knöpfe, Garne, Reißverschlüsse, doch dafür fehlt das Geld.

Auch die ehemlige Schülerin Honorine Yenou betreibt ein eigenes Atelier, beschäftigt sogar zwei Lehrmädchen in der Ausbildung. Sie ist verheiratet und hat fünf Kinder. „Es ist schwer zu sagen, was genau ich monatlich verdiene, aber ich kann regelmäßig zum Familienunterhalt beitragen. Uns geht es gut.“

Eine der Nähmaschinen in ihrem Atelier ist ständig kaputt. Sie dauerhaft zu reparieren lohnt nicht mehr, doch für eine neue Maschine reicht das Geld leider nicht.

Meine persönlichen Besuche bei den Frauen haben mich überzeugt und mir gezeigt, welch gute und wertvolle Ausbildung sie im Schulzentrum Wend Raabo bekommen haben. Eine Arbeit, die es weiterhin zu fördern gilt.

Das Ausbildungszentrum für junge Frauen ist ein beeindruckendes Beispiel dafür, mit wie viel Energie, Entschlossenheit und Durchhaltevermögen sich die Lehrer*innen dort immer wieder für die Verbesserung der Lebensbedingungen in ihrem Land einsetzen. Es ist ermutigend, wie viel mit vergleichsweise geringen finanziellen Mitteln vor Ort – eine Nähmaschine beispielsweise kostet je nach Qualität zwischen 122 und 188 Euro – erreicht werden kann.

Angesichts der landesweit schwierigen Lebensbedingungen der Bevölkerung durch immer wieder terroristische Anschläge und der großen Armut, die viele Menschen aus purer Not dazu bewegen, ihr Land zu verlassen und sich in anderen Ländern eine bessere Zukunft zu erhoffen, ist die Förderung von solchen Infrastrukturprojekten, wie eben diesem Ausbildungszentrum für junge Frauen, ein sehr sinnvoller Beitrag, die Perspektiven im Land selbst zu verbessern.

 

 

 

Wunschträume/Netzwerk für Mädchen- & Frauenprojekte e.V.

Website: www.netzwerk-wunschtraeume.de – E-Mail: netzwerk-wunschtraeume@web.de

(Steuer-Nr.: 143/224/60660)

Spendenkonto: IBAN: DE24700202700036263644 – BIC: HYVEDEMMXXX – HypoVereinsbank oder IBAN: DE51200505501318120183 – BIC: HASPDEHHXXX – Hamburger Sparkasse

 

Download als PDF: Rundbrief im März 2022

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