Youba 2008

„Es werde Licht……“ und der Wunschtraum vom Wasser

Mein Besuch in Youba am 13. November 2008

Das Dorf Youba liegt im Norden Burkina Fasos und hat ca. 6.500 Einwohner. Nächst größere und damit Hauptstadt der Provinz Yatenga ist Ouahigouya mit 122.677 Einwohnern.

Von der der burkinischen Hauptstadt Ouagadougou führt die geteerte RN 2 die rund 200 Kilometer nach Ouahigouya. Von dort sind es bis Youba weitere 15 km auf holpriger Sandpiste.

Als ich das Dorf während meiner einwöchigen Projektreise am 13. November  besuche, sind Mais und Hirse rechts und links der Straße bereits abgeerntet. In den nächsten Monaten werden kein Regen und die durchschnittliche Tagestemperatur selten unter 36° fallen.

Es war bereits mein 3. Besuch in Youba. Diesmal konnte ich die große Verbesserung in Augenschein nehmen, die Wunschträume/Netzwerk für Mädchen- & Frauenprojekte e.V. dem Dorf ermöglicht hat: elektrisches Licht in der Krankenstation – CSPS – durch Solarenergie.

Die gesamte Gesundheitsversorgung in den ländlichen Gebieten Burkina Fasos basiert auf einem so genannten CSPS, dem Centre de Santé et Promotion Sociale“, das normalerweise aus drei Gebäuden besteht: der Dispensaire (Notstation zur Kranken- und Verletztenversorgung), der Maternité (Geburtsstation) und dem Depot (Apotheke).

In einer Dispensaire können Krankheiten wie zum Beispiel Malaria behandelt, Wunden versorgt und Impfungen durchgeführt werden. In der Maternité in Youba kommen jeden Monat ca. 30 Kinder zur Welt. Die meisten Frauen ziehen es inzwischen vor, ihre Kinder mit professioneller Hilfe einer Hebamme im CSPS zu gebären, als allein zu Hause in ihren Hütten. Die Kosten für eine Entbindung betragen in der Regel 900 FCFA, umgerechnet ca. 1,35 € und können nicht von allen Frauen aufgebracht werden.

Betrachtet man die CSPS in Youba mit europäischen Augen, bekommt das Wort „Kulturschock“ eine neue Dimension, wenn man die Räume betritt. Da hängt ein unangenehmer Geruch in der Luft, Fliegen schwirren umher, Dreck hängt an den Wänden und die Schaumstoffmatratzen auf den primitiven Bettgestellen wirken wenig einladend. Eine schwer an Malaria erkrankte junge Frau kauerte auf einem viel zu kleinen Laken auf einer Liege. Sie hing am Tropf, der an einem windigen Eisengestell befestigt war.

Im Verbandszimmer gibt es weder Liege noch Stuhl. Das Waschbecken an der Wand ist völlig von rotem Staub überzogen: „l’eau ne marche pas“ – wie uns der Pfleger erklärte, also: „das Wasser funktioniert nicht“.

Beim Anblick des gefliesten Geburtstisches in der Maternité zuckt wohl jeder Europäer oder insbesondere jede Europäerin erst einmal etwas verstört zusammen. Für die ländlichen Gebiete Burkina Fasos ist er eine moderne und in erster Linie praktische Errungenschaft. Und auch hier: Wasser fließt keines.

Täglich unter solchen Bedingungen zu arbeiten, verdient Bewunderung und Respekt.

Als mir bei meinen ersten beiden Besuchen der leitende Pfleger der CSPS, Jean Thiombiano, erklärt hat, wie nach Einbruch der Dunkelheit, also um ca. 18.00 Uhr Wunden verbunden, Notfälle aufgenommen oder Kinder geboren werden – nämlich mit der Taschenlampe unter die Achsel geklemmt oder im flackernden Licht einer Kerze – stand mein Entschluss dieser CSPS zu helfen, sehr schnell fest.

Auf meiner Februar-Reise in diesem Jahr habe ich Markus und Hannes von SEWA (Solarenergie für Westafrika e.V.) kennen gelernt. Ich habe sie gebeten, ein Angebot zu erstellen. Dann bat ich Sidiki Belem, mit SEWA Kontakt aufzunehmen und einen ersten Besuch der beiden in Youba mit vorzubereiten.

Fragen und Unklarheiten wurden per Telefon oder Mail geklärt, die Summe von 5.200 Euro an SEWA überwiesen. Diese Summe beinhaltet zusätzlich einen Bericht und kleinen Film über die Elektrifizierung, eine weitere Betreuung der CSPS incl. zwei bis drei Besuche im Dorf bis 2010 sowie ein abschließenden Bericht.

Kurz und gut: seit dem 15. August dieses Jahres brennt in Dispensaire und Maternité der CSPS von Youba Licht!

Die Nachfolger von Markus und Hannes, Jan und Niels, haben zusammen mit Technikern der Firma MicroSow die Solaranlage installiert. Den Film darüber können Sie in Kürze auf unserer Homepage finden.

An dieser Stelle möchte ich noch einmal meinen herzlichen Dank dem gesamten Team von SEWA, hier insbesondere Jan und Niels, und MicroSow aussprechen für die wunderbare Zusammenarbeit.

Die Bevölkerung von Youba ist überglücklich und dankbar für die Elektrifizierung. Rund 700 Menschen – der gesamte Ältestenrat, Dorfchef, Imam, Männer, Frauen und  Kinder – versammelten sich, um ihrer Freude und ihrem Dank anlässlich meines Besuches, Ausdruck zu verleihen. Es wurde getrommelt, getanzt, Reden wurden gehalten und Geschenke übergeben (ein lebendes weißes Huhn, Erdnüsse, Stoffe).

Nach der fast einstündigen Zeremonie folgt der Rundgang durch das CSPS.

Das Licht ist jetzt da: „es wurde Licht….“.

Nun soll/muss die Station noch Wasser bekommen. Da sich ein Brunnen in der Nähe befindet, kann dies über einen so genannten Chateau d’eau, einen Wasserturm, geschehen. Ein Kostenangebot wurde bereits eingeholt. Es gibt zwei Varianten: die eine 8.397 Euro, die andere 11.297 Euro.

Da für den Bau/Installation eines solchen Wasserturms/Pumpe die finanziellen Möglichkeiten von Wunschträume/Netzwerk für Mädchen- & Frauenprojekte e.V. nicht ausreichen, soll versucht werden, hier einen großzügigen Spender zu finden.

Schon bald sollen – wie bereits in Pétessiro – zehn Animateure und Animatricen ausgebildet werden, die in und um Youba zu Themen wie Beschneidung, AIDS und Hygiene aufklären. Die Ausbildung findet wieder bei BangrNooma, Rakiéta Poyga, statt. Die Kosten für den einwöchigen Workshop in Ouagadougou belaufen sich für die zehn Personen auf ……………. Euro. (Summe wird nachgereicht.) Davon sollen jede/jeder der Teilnehmer/Innen einen ganz kleinen Anteil selbst übernehmen.

Die Schwerpunkte der Arbeit von Wunschträume/Netzwerk für Mädchen- & Frauenprojekte e.V. in Burkina Faso sind nach wie vor der weitere Ausbau der Wend Raabo Schule sowie die fortlaufende Unterstützung zur weiteren Entwicklung in Pétessiro.

Mit der Elektrifizierung der CSPS, dem Bau eines Wasserturms und der Ausbildung von Animateuren und Animatricen in Youba soll jedoch ein weiterer Meilenstein zu besserer Gesundheit ländlicher Dorfbevölkerung in Burkina Faso beigetragen werden. Die Dörfer Youba und Pétessiro liegen ungefähr 40 Kilometer voneinander entfernt. Man kann sich in der Mitte treffen und über Erfahrungen und/oder eventuelle Mängel austauschen. Man kann gemeinsam nach Verbesserungsmöglichkeiten suchen, und beide Dörfer können langfristig gute Multiplikatoren in dieser nördlichen Region des Landes sein.

Mein nächster Besuch in Youba wird am 24. Februar 2009 sein. Dann werden mich Fadumo und Walter Korn (München) sowie Regina und Ludwig Axt (Wesel) begleiten. Der Bürgermeister von Ouahigouya, Abdoulaye Sougouri, hat seine Anwesenheit fest zugesagt.

Kathrin Seyfahrt