Pétessiro 2008

Vor ihrer Station mit allen gerade anwesenden Kindern

Fahrräder für die Animateure und Animatricen

​Zugu Nooma

Mein Besuch in Pétessiro am 12. November 2008

Dies war nun schon mein vierter Besuch in Pétessiro, und inzwischen habe ich das Gefühl, dass ein großes gegenseitiges Vertrauen gewachsen ist zwischen der Dorfbevölkerung und mir. Wurde ich anfänglich (im März 2006) noch eher skeptisch beäugt, waren gerade die Besuche in diesem Jahr geprägt von großer Offenheit und Herzlichkeit.

Binnen 2 1/2 Jahren, die Wunschträume/Netzwerk für Mädchen- & Frauenprojekte e.V. jetzt in Pétessiro tätig ist, hat sich für die Menschen vieles schon zum Positiven verändert. Das Schöne daran: sie haben selbst aktiv dazu beigetragen.

Dank der großen Initiative und des Engagements von Mamoudou Sawadogo, Gründer und Vorsitzenden der Association pour le Développement Socio-Economique de Pétessiro (A.D.S.E.P.), wie die kleine regierungsunabhängige Vorort-Organisation genau heißt, konnte die Krankenstation innerhalb 11 Monate gebaut und am 6. Februar dieses Jahres eingeweiht werden.

Inzwischen wurden weitere Baumaßnahmen (Latrinen, Einzäunung des Geländes, Anpflanzung von Bäumen, Anbringung von Moskitofenstern…..) vorgenommen.

Wunschträume/Netzwerk für Mädchen- & Frauenprojekte e.V. wird die Krankenstation weiter ausbauen zu einem für Burkina Faso üblichen Centre de Santé et Promotion Sociale, kurz CSPS. Davon ist die Dispensaire, also die Notstation zur Kranken- und Verletztenversorgung, bereits in Betrieb. Die beiden noch fehlenden  Einheiten zur CSPS: Maternité (Geburtsstation) und Depot (Apotheke) werden Schritt für Schritt gebaut werden.

Im Gegenzug stellt das Land Burkina Faso, beziehungsweise die zuständige Provinz Yatenga, das Personal. Seit Sommer dieses Jahres arbeiten zwei hoch motivierte Fachleute, die Krankenschwester Korotimi Kaboré und der Pfleger Eric Paré an jeweils zwei bis drei Tagen pro Woche in der Krankenstation von Pétessiro.

Insgesamt zehn Personen hat die Dorfbevölkerung ausgewählt, die als so genannte Animateure und Animatricen für die Krankenstation ausgebildet wurden, und die über Fragen zu Hygiene, AIDS und vor allem auch Beschneidung aufklären. Sechs von ihnen arbeiten voll für die Station sowie für A.D.S.E.P. Für ihre Tätigkeit erhalten  sie monatlich 20.000 FCFA, das sind umgerechnet 30 Euro.

Nach Rückfragen bei anderen Organisationen, zum Beispiel AMPO (Katrin Rohde), ist es durchaus üblich, ein Gehalt sollte für geleistete Arbeit bezahlt werden.

Mein persönlicher Eindruck von den zehn Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern ist sehr gut. Sie sind von Anfang an dabei, hoch motiviert und engagiert. Mit dem weiteren Ausbau der Krankenstation und von A.D.S.P. ist es wünschenswert auch die anderen vier so zu beschäftigen, dass sie ein Gehalt bekommen können.

Dank der Aktion „Fahrräder für Pétessiro“ im Juli dieses Jahres konnte ich den zehn nun jeweils ein eigenes Fahrrad überreichen und ihnen damit auch zu mehr Mobilität verhelfen. Die große Freude und Dankbarkeit bei der Übergabe hat mich sehr berührt.

Demnächst werden die zehn Gesundheitshelferinnen und -helfer ein Aufbauprogramm durch BangrNooma bekommen. Dies wurde in einer Besprechung am 15. November mit Rakiéta Poyga, Mamoudou Sawadogo und Sidiki Belem festgelegt.

Wie im Bericht über meinen Besuch in Youba zu lesen ist, sollen auch dort 10 Bewohner und Bewohnerinnen zu Animateuren und Animatricen durch BangrNooma ausgebildet werden.

Die Kosten für die Ausbildung sowie für das Aufbauprogramm für Pétessiro sind gedeckt, nachdem der Preis für die Fahrräder günstiger als vorhergesehen ausgefallen ist.

Die Dispensaire, die Krankenstation also, wird inzwischen mehr als rege angenommen. Am Tag meines Besuches waren insbesondere Mütter mit ihren Kindern und alte Frauen gekommen. Als ich in die Station kam, wurde gerade eine Frau, die über Schwindel und starke Kopfschmerzen klagte, versorgt.

Irmtraud Globisch hatte einige Packungen Paracetamol, Ibuprofen, Bepanten Augentropen und –salbe gespendet. Von anderen Freunden hatte ich einen Kasten voll Mullbinden, Dreieckstüchern, Kompressen sowie 2 Verbandsscheren dabei. Sie haben große Freude und ein herzliches „Merci“ ausgelöst.

Medikamente, zumindest Standardsachen, sind im Land erhältlich, auch Impfstoffe. Dennoch kommt es immer wieder zu Engpässen und der Bedarf an zusätzlichen Tabletten, Tropfen, Salben, Verbandsmaterial…… ist groß und wird dankbar angenommen.

Ich habe Schwester Korotimi Kaboré gebeten, eine Liste zusammenzustellen, was wir (Fadumo, Walter und ich), wenn wir im Februar 2009 die Station erneut besuchen, sinnvoll mitbringen können.

Der in der Hauptstadt Ouagadougou lebende Optiker Abel Kafando hat angeboten, in der Krankenstation in Pétessiro Sehtests durchzuführen und einen Workshop über Augengesundheit zu halten. Mamoudou Sawadogo und Abel Kafando stehen in Kontakt und werden nach einem möglichen Termin suchen.

Nach einem kleinen Mittagsimbiss wird mir durch Karim Belem ein Danke-Schreiben im Namen aller Animateure und Animatricen überreicht, das ich übersetzt diesem Bericht als Anlage beifüge.

Schräg hinter der Krankenstation wird derzeit ein kleines ‚Verwaltungsgebäude’ für A.D.S.E.P. gebaut mit einem Unterstand auch für die Fahrräder sowie Mopeds der Krankenschwester und -pfleger.

Langfristig können/sollen von hier aus alle Vorhaben und Pläne von A.D.S.E.P. geplant, beaufsichtigt und betreut werden.

Für 2009 hat Mamoudou Sawadogo mir die Budgetplanung vorgelegt mit allen Wunschvorhaben seitens A.D.S.E.P.. Die Planung beläuft sich auf insgesamt 19.198.250 FCFA, das sind umgerechnet 29.310 Euro. Darin sind der weitere Ausbau des CSPS, die Fortsetzung der Aktionen im Kampf gegen Beschneidung und Aufklärung zu AIDS, aber auch der Bau von Latrinen im Dorf sowie Anschaffung einer Getreidemühle enthalten. 215.000 FCFA – 328 Euro – bringen die Mitglieder von A.D.S.E.P. durch Vereinsbeiträge auf, bleiben 28.982,10 Euro.

Wunschträume/Netzwerk für Mädchen- & Frauenprojekte e.V. wird versuchen, die Vorhaben in Pétessiro weitgehend zu realisieren.

Helfen Sie uns, den Menschen von Pétessiro zu einer besseren und gesunden Zukunft zu verhelfen. Die Dorfbevölkerung ist motiviert und sehr bereit den Teil, den sie beisteuern kann, auch beizusteuern.

Pétessiro hat sich zum Ziel gesetzt, ein beispielhaftes Modell für die Region Yatenga zu werden.

Gemeinsam können wir sie bei diesem Vorhaben unterstützen.

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„Zugu Nooma“ – „Hoffnung für immer“

Bericht über die Einweihung der Krankenstation in Pétessiro am 6. Februar 2008

„Zugu Nooma“ lautet der Name, den die Einwohner Pétessiros’ für ihre Krankenstation ausgewählt haben. Das ist Mooré, eine der vielen burkinischen Sprachen, und bedeutet übersetzt so viel wie „Hoffnung für immer“.

Fadumo Korn von FORWARD Germany e.V., ihr Mann Walter, der die Fotos gemacht hat, und ich, die ich Wunschträume/Netzwerk für Mädchen- & Frauenprojekte e.V. vertreten habe, waren bei der großen Einweihungszeremonie am 6. Februar 2008 live dabei, dem Tag, der international als Tag gegen die weibliche Genitalbeschneidung begangen wird. Die Einweihung der Krankenstation in Pétessiro war Höhepunkt unserer erfüllten 14tägigen Projektreise nach Burkina Faso, und das Erleben dieses Tages auch nur annähernd mit Worten zu beschreiben fällt mir schwer, denn alle meine Erwartungen sind übertroffen worden. Ich will es so gut als möglich versuchen, schließlich sollen Sie erfahren, wohin Ihre Spendengelder in und für Burkina Faso fließen.

Der Binnenstaat Burkina Faso – ehemals Obervolta – liegt auf einem Hochplateau in Westafrika und gilt als drittärmstes Land in der Welt. Politisch stabil zeichnet es sich durch kulturelle Vielfalt von friedlich miteinander lebenden ethnischen Gruppen aus. Nennenswerte Rohstoffe gibt es keine, das Land lebt fast ausschließlich von Ackerbau und Viehzucht. Zunehmende Desertifikation und regelmäßig wiederkehrende Dürreperioden erschweren die Landwirtschaft insbesondere im Norden des Landes, der schon Sahelzone ist.

Rund 40 Kilometer von der im Nordwesten gelegenen, viertgrößten Stadt des Landes Ouahigouya entfernt liegt das 3000 Seelen-Dorf Pétessiro – „fast biblisch“, wie es Fadumo beschrieben hat. Seit 2 Jahren ist dort die kleine regierungsunabhängige Organisation Association pour le Developpement Socio Économique de Pétessiro – kurz A.D.S.E.P. – aktiv, mit der wir zusammenarbeiten. Ihr Gründer und Vorsitzender Mamoudou Sawadogo – Schuldirektor, Mathematik und Physiklehrer von Beruf – ist ein wahrer Glücksgriff und äußerst zuverlässiger Vorort-Mann.

Auf roter befestigter Allwetterstraße geht es von Ouahigouya zunächst nach Tiou, der letzten größeren Stadt. Von dort geht es im kleinen Konvoi auf staubiger Sandpiste hinter einer hupenden Moped-Eskorte von Jugendlichen her nach Pétessiro. Am Dorfeingang klatschende Menschen links und rechts, und zur Sicherheit hatte man sogar ein paar Polizisten aufgeboten. Was für ein herzlicher Empfang, und immer wieder wollten Hände geschüttelt werden.

Fast das gesamte Dorf war auf dem Platz vor der Krankenstation versammelt, als gegen 10.00 Uhr der offizielle Teil der Einweihungszeremonie begann. Für die Ehrengäste, zu denen neben Bürgermeistern, Honoratioren, etc. auch wir gezählt wurden, waren gepolsterte Sessel (!) angeschleppt und mit Namenszetteln versehen worden. In der Mitte des Platzes hatte man ein überdachtes Rednerpult aufgestellt. Überall waren große Lautsprecher befestigt, durch die hin und wieder einer dieser fast ohrenbetäubenden Pfeiftöne ging, weil die veraltete Anlage hoffnungslos übersteuert war. Afrikanisch eben.

Um so unafrikanischer und perfekter dafür dann der nahezu minutiöse Ablauf der Zeremonie. Die einzelnen kurz und knapp gehaltenen Reden waren wirklich gut. Unterbrochen wurden sie von Musik, Tanz und szenischen Darbietungen zum Beispiel zum Thema AIDS und Beschneidung, vorgeführt von SchülerInnen aus Pétessiro, einer traditionellen Tanz/Musikgruppe der Peul und Schülerinnen der Wend-Raabo-Schule Ouagadougou.

Gesprochen haben unter anderem die Bürgermeister von Pétessiro und Tiou, Sidiki Belem als Kommunalpolitiker, Mamoudou Sawadogo als Vorsitzender von A.D.S.E.P., die führende Frauenvertreterin, etc.. Und natürlich mussten Fadumo und ich sprechen. Es war das zweite Mal, dass ich eine kleine Rede auf Französisch hielt. Dementsprechend aufgeregt bin ich gewesen und glaube, dass meine Aussprache ziemlich holperig geklungen hat. Also nehme ich mir einmal mehr vor, endlich einen Intensivkurs in Französisch zu besuchen. Sidiki hat meine Rede anschließend in Mooré übersetzt. Dabei gab mir der immer wieder kräftig einsetzende Applaus das sichere und gute Gefühl, dass ich doch eine passende Wortwahl getroffen hatte.

Weil die meisten Dorfbewohner weder lesen noch schreiben können – 80 % der Bevölkerung Burkina Fasos sind Analphabeten – wurden alle Reden in zwei Sprachen gehalten beziehungsweise übersetzt, eben Französisch und Mooré.

Dann wurde es ernst. Die Ehrengäste wurden gebeten die Station von innen in Augenschein zu nehmen, nachdem der Bürgermeister von Tiou und ich das Band durchgeschnitten haben. Die Spannung wuchs. Ich war nervös und neugierig, wie lange nicht mehr. Wie würde es drinnen aussehen? Ordentlich gestrichen? Sauber? Möbel….?

Was dann folgte, war ein großes ’Ooooh’ und ’Aaaah’, als die Tür geöffnet wurde. Und wirklich, wie schön sah alles aus! Fünf Räume, die von einem Vorraum abgehen und deren Türen nacheinander aufgeschlossen werden. Die Wände der einzelnen Räume sind freundlich in hellem Blau und Türkis gestrichen. Rasch wurden alle Fenster geöffnet und ein angenehmer Durchzug sorgte für leichte Kühlung. Draußen brummte in einer Schubkarre der Generator, der für Licht und überhaupt Elektrizität in der Station sorgt. Ich war geplättet und mir fiel das Foto ein, dass ich vor zwei Jahren an diesem Ort gemacht hatte: 20 Personen auf dem Platz, an dem einmal die Station gebaut werden sollte. Nun ist die Vision von damals Realität geworden, und ich stehe in der Station. Das Gefühl, das ich in dem Moment hatte ist schwer zu beschreiben. Es war eine seltsame Mischung aus sprachlos, glücklich, zu Tränen gerührt, der Frage wie geht es jetzt weiter? und das ist doch erst der Anfang, jetzt geht es erst richtig los….

11 Liegen, 4 Schreibtische, 10 Stühle und 4 abschließbare Metallschränke waren ebenfalls schon da und standen in den Räumen. Wie schön das alles ist! „Felicitation“ und Händeschütteln von und nach allen Seiten. Ich war überwältigt. All das ist in zwei Jahren passiert – in Afrika! Von der Idee und Planung im Jahr 2006 über die Grundsteinlegung am 02. Februar 2007 bis zu diesem Tag. Ich kann es kaum glauben. Dann überreicht mir der Chef du Village einen Brief des Ältestenrats. Sein Inhalt rührt mich zutiefst. Da heißt es:

„Am 3. März 2006 empfängt das Dorf Pétessiro Kathrin Seyfahrt, während der Harmattan-Wind weht. An jenem Tag wehte der Wind in wahrer, aufrichtiger Liebe, die zu Partnerschaft wurde.

Zwei Jahre nach diesem Empfang hat sich dank dieser freundschaftlichen Beziehung, wie auch dem Mitwirken von Halidou, das Gesicht Pétessiros’ positiv verändert. ’Alle diejenigen, die bei uns das Beste wollen’ –  Sie sind wie diejenigen Kathrin. Und ebenso alle, die Sie begleiten, wie Fadumo, Walter, etc. …. Es ist wahr geworden. Heute hat Pétessiro eine eingerichtete Gesundheitsstation. Schluss mit der Misere der Frauen bei Entbindungsschwierigkeiten, weil weite Entfernungen unüberwindbar sind.

Wir sagen Ihnen allen herzlich DANKE, die so großzügig und menschlich dazu beigetragen haben. Wir verpflichten uns diese Botschaft  in unserem täglichen Verhalten in die Tat umzusetzen. Gott segne Sie!

Eine Liste über die notwendige Grundausstattung an Kleingeräten (z.B. Blutmessdruckgerät, Waage), Material (z.B. Verbandmaterial, Pflaster, Kompressen, Spritzen) und Medikamente (z.B. Paracetamol, Salben) wird der verantwortliche Pfleger Ousseni Belem in den ersten Wochen zusammenstellen. Eine winzig kleine Auswahl an sterilen Kompressen, Schmerztabletten und Spritzen, die wir in Deutschland als Spende von Ärzten bekommen haben, hatten wir mitgebracht, ebenso ein paar gespendete Laken für die Liegen. Sie kamen mir plötzlich wie ein Minitröpfchen auf den berühmten heißen Stein vor, und wieder einmal frage ich mich, wo man in Afrika überhaupt anfangen soll, weil es einfach an allem fehlt und mangelt. Dennoch, als wir am Nachmittag einer ersten Frau helfen konnten, weil sie ein entzündetes Auge hatte – wir hatten etwas Augensalbe dabei – wusste ich, auch wenn es immer nur ein Tropfen ist, was wir tun können, es ist so wichtig mit diesem Tropfen anzufangen. Dieser einzelne Tropfen, der einem einzelnen Menschen hilft – hier eben dieser einen Frau –, wird eines Tages Tropfen und/oder Multiplikator für einen weiteren werden.

Fadumo und ich mussten natürlich auch jede einen Baum pflanzen. Die Löcher dazu waren bereits ausgehoben, Schaufel und Wasser zum Angießen war da, ebenso Drahtschutzgitter, damit die Ziegen nicht gleich die ersten Blätter abfressen. Während wir pflanzten, hatte man in der Station aus den Schreibtischen im größten Raum eine lange Tafel zusammengestellt, darüber eine Wachstuchdecke gebreitet, Teller und Gläser gedeckt, denn hier sollte das Festmahl stattfinden. Wie perfekt doch die Organisation war: es gab nicht einfach nur Getränke wie Fanta, Cola, Wasser, nein, sie waren gekühlt!  Für rund 40 geladene Gäste ist das gar nicht so einfach, wenn es keinen Kühlschrank gibt. Es bedarf der Beschaffung mehrerer Kühltaschen, vor allem aber der dazugehörenden Kühlelemente.

Es gab Salat, Hähnchen, Kartoffeln, Couscous und Tomatensoße – und es schmeckte alles köstlich!

An dieser Stelle möchte ich meinen ganz persönlichen Dank zum einen an Halidou Sawadougou aussprechen, der einfach in jeder Sekunde hilfreich zur Seite stand und für seine wunderbaren Übersetzungen. Zum anderen gilt mein Dank John, Birgit und Uwe, die extra für die Einweihungszeremonie von Ouagadougou nach Pétessiro gekommen sind. Ihr Dabei sein hat mich gestärkt und unheimlich gut getan. DANKE!

Fadumo hat sich am Rande mit ein paar Frauen unterhalten, sie gefragt, ob sie Angst haben, dass irgendjemand in die Krankenstation einbricht und vielleicht etwas stiehlt. Antwort: „Kein Dieb würde sich trauen, in unserer Krankenstation einzubrechen, denn wenn einer den Frauen in Pétessiro was klaut, endet das sehr böse. Wir werden sehr, sehr böse.“ So konnten uns überhaupt die Menschen kaum genug versichern, dass sie allein in der Verantwortung stehen, diese Krankenstation zu pflegen und aufzupassen, dass die Gerätschaften gepflegt werden und sich nicht irgendeiner was aneignet, sondern dass die Station allen Menschen von Pétessiro und den drum herum liegenden Dörfern (insgesamt 7.800 Menschen) zugute kommt.

Mit der Einweihung der Station in Pétessiro haben wir – so scheint es – einen Grundstein gelegt für die Gesundheit – insbesondere der der Frauen und Mädchen. Zwei Frauen und ein junger Mann sind bereits im März 2007 als Ersthelfer ausgebildet worden und haben viel über Hygiene gelernt. Sie können den Pfleger der Station tatkräftig mit unterstützen. Im Januar 2008 haben wir 4 Frauen und 4 Männer zu so genannten Animateuren und Animatricen ausbilden lassen, die ab sofort mit der Sensibilisierung und Aufklärung zu Themen wie AIDS und Beschneidung begonnen haben. Mit der Ausbilderin Madame Rakiéta Poyga, Gründerin und Vorsitzende der Vorort-Organisation BangrNooma, hatten wir ein paar Tage vor Einweihung der Krankenstation ein intensives Gespräch. Madame Poyga hat die weitere Betreuung und Schulung für die 8 Animateure/Animatricen in Pétessiro zugesagt. Auch wenn Beschneidung von Mädchen seit 1996 offiziell in Burkina Faso verboten ist, so werden nach wie vor – insbesondere in ländlichen Regionen – etwa 70 % der Mädchen beschnitten. Das Antibeschneidungsprogramm für Pétessiro und Umgebung wird über 12 Monate gehen und beinhaltet neben Sensibilisierung und Aufklärung, Workshops, Theatervorführungen, Radiokampagnen, etc.. Die Kosten in Höhe von rund 9.100 Euro wurden dankenswerterweise von einer Schweizer Stiftung übernommen.

Sofort begonnen werden soll mit dem Bau zweier abschließbarer Latrinen. Alle  Fenster werden noch mit Moskitogittern versehen. Für Wartende werden ein paar Holzbänke aufgestellt, und es sollen noch ein paar weitere Bäume gepflanzt werden, die eines Tages Schatten spenden. Für diese Positionen sind die finanziellen Mittel vorhanden.

Bislang sind in den Bau und die Einrichtung der Station rund 25.000 € geflossen.

Die offizielle Anerkennung von Regierungsseite steht ganz kurz bevor.

Wasser wird zunächst aus dem etwa 150 m entfernten Brunnen geholt. Ob über diesen Brunnen ein 2000-3000 Liter Wassertank gefüllt werden darf, wird von Mamoudou Sawadogo geklärt. Da langfristig die Station weiter ausgebaut werden soll, ist der Bau eines eigenen Brunnens zu überlegen. Die Kosten für eine gesamte Wasserversorgung (Brunnen + Wasserturm) belaufen sich auf rund 10.000 €. Wünschenswert wäre ein kleines Wohnhaus für den Pfleger auf dem Gelände der Station (ähnlich wie die Lehrerhäuser). Das ist zum einen Motivation für ihn, in so ländlicher Region zu arbeiten, zum anderen ist er im Notfall auch nachts und am Wochenende schnell vor Ort. Ein geländetaugliches Fahrzeug ist noch etwas Zukunftsmusik, wäre aber natürlich wünschenswert. Dann kann im Notfall schnell jemand ins Krankenhaus nach Ouahigouya gebracht werden.

Wunschträume/Netzwerk für Mädchen- & Frauenprojekte e.V. wird die Station zunächst einmal 3 bis 5 Jahre finanziell unterstützen. Im Gegensatz zu einigen Krankenstationen, die wir während unserer Reise besucht haben, wird die Behandlung in Pétessiro nicht ganz umsonst sein. Jede und jeder, der die Station zur Behandlung aufsucht, wird einen Beitrag zwischen 50 und 100 FCFA (ca. 0,07 bis 0,15 €) leisten. Wer das nicht kann, wird aber auch behandelt.

Für verabreichte Medizin soll ebenfalls ein kleiner Beitrag bezahlt werden. Impfungen sind, wie uns der für die gesamte Region zuständige Arzt erklärte, bis zum 5. Lebensjahr kostenlos. Danach müssen sie bezahlt werden.

Neben der Krankenstation hat die Bevölkerung in Pétessiro ein paar weitere Wünsche. Diese lassen sich eventuell über so genannte Mikrokredite finanzieren. Dazu gibt es bereits ein fundiertes und gut funktionierendes Programm über die Organisation NEEED (Nimbus, Enfance, Environment, Education et Developpement), mit dessen Leiter Laciné Sawadogo wir in Ouahigouya ein gutes Gespräch hatten. Mamoudou Sawadogo wird den Kontakt vertiefen. Hier könnte es zu einem Netzwerk A.D.S.E.P. / NEEED / Wunschträume kommen.

Konkret gibt es derzeit zwei interessierte Frauengruppen: eine, die eine Getreidemühle betreiben, die andere, die gern Seife produzieren möchte.

Die rund 30köpfige Jugendgruppe von A.D.S.E.P. hat mir einen Brief mit der Bitte um Finanzierung zur Bewässerung ihrer Felder und/oder zur Viehzucht zugesteckt. Hier konnte ich für Mamoudou Sawadogo einen Kontakt herstellen zur ALCD (Association contre la Désertification). Er hat bereits mit Melchior Landolf, dem Gründer und Vorsitzenden von ALCD telefoniert und einen ersten Termin ausgemacht.

Die Bevölkerung von Pétessiro hat Ideen und ist hoch motiviert. Mamoudou Sawadogo ist nicht nur pünktlich und äußerst zuverlässig, er ist obendrein auch bestens organisiert. Die Bürgermeister von Pétessiro und Tiou haben uns in jeder Hinsicht ihre Unterstützung zugesagt, ebenso der Arzt der Region Dr. Bernard Sawadogo.

Pétessiro kann ein Modell-Dorf für Burkina Faso werden.

Helfen Sie mit Ihrer Spende die Wunschträume der Menschen von Pétessiro zu verwirklichen.

München, im Februar 2008

Kathrin Seyfahrt