Entstehung

Warum ich Wunschträume e.V. ins Leben gerufen habe

von Kathrin Seyfahrt

Ich glaube, ich habe schon viel Glück in meinem Leben gehabt. Das größte vielleicht: dass ich in einem Land geboren und aufgewachsen bin, in dem es den meisten Menschen sehr gut geht, und in dem es jegliche ärztliche Versorgung, sauberes Trinkwasser und ausreichend zu essen gibt. Ein Land, in dem jedes Kind, egal ob Junge oder Mädchen, eine Schule besuchen darf, in dem niemand barfuß gehen muss und die meisten Menschen einen Job haben.

Ein Land vor allem aber, in dem ich auch als Frau Rechte habe.

Dann hatte ich das zweite große Glück, nämlich, dass ich Menschen begegnen durfte, die mit ihrem eigenen Engagement unendlich viel bewegen konnten. Unter ihnen Karlheinz und Almaz Böhm (Menschen für Menschen, Äthiopien), Dr. Zilda Arns und ihrem Bruder, dem Kardinal von Sao Paulo (Pastoral da Crianca, Brasilien), und Paul Draper (CareCo, Rodrigues).

Aus den Begegnungen mit Dr. Susanne Pechel (Christlicher Entwicklungsdienst), Fadumo Korn (Forward Germany e.V.), Marianne Raven (PLAN International Deutschland), Katrin Rohde (Sahel e.V./AMPO Burkina Faso)…., um hier stellvertretend nur ein paar wenige zu nennen, sind nicht nur Netzwerke, sondern Freundschaften entstanden. Freundschaften zu Menschen, die mich mit ihrem Einsatz und Engagement angesteckt und ermutigt haben, und letztlich ganz bestimmt einen entscheidenden Anstoß gaben, Wunschträume/Netzwerk für Mädchen- & Frauenprojekte e.V.  ins Leben zu rufen.

Das dritte unbeschreibliche Glück ist, dass ich so viel reisen kann und darf. Dass ich einerseits gesund bin und über die finanziellen Mittel verfüge, dass ich andererseits über die eine oder andere Reise Sendungen oder Beiträge/Artikel schreiben kann, die honoriert werden, womit ich mir dann wiederum die nächste Reise finanzieren kann.

Schließlich lernte ich gerade auf meinen Reisen bemerkenswerte Menschen kennen, oder ich fand Projekte, wie zum Beispiel Schwester Priscilla und das Holy Cross Aids Hospiz in KwaZulu Natal/Südafrika oder Mutter Maria von den Mothers of the Holy Cross in Puma/Tansania.

Und manchmal, da stolperte ich im wahrsten Sinne des Wortes über ein Projekt: im Gespräch mit anderen, oder in einem kleinen, oft winzigen, Artikel in irgendeiner Zeitung.

Hier in München hatte ich durch Dr. Inge Kapraun von der Wend-Raabo-Schule in Ouagadougou/Burkina Faso erfahren, die sie viele Jahre zusammen mit Halidou Savadougou unterstützt hat.

Angefangen aber hatte es eigentlich mit einer Vision:

Im November 1998 war ich das erste Mal in Afrika: in Äthiopien.  Zweihundert Kilometer nördlich der Hauptstadt Addis Abeba, in Merhabete, besuchte ich ein Projekt von Karlheinz Böhms Äthiopienhilfe Menschen für Menschen. Zum ersten Mal in meinem Leben kam ich mit Ärmsten der Armen in Kontakt, stand mitten unter ihnen oder wurde in die eine oder andere Hütte gebeten.

Ich recherchierte für eine Hörfunksendung mit dem Titel “Wohlstandshunger/Armutshunger – eine Gegenüberstellung von Essstörungen als Spiegelbild unserer Überflussgesellschaft und Hungersnöten in Armutsländern dieser Welt am Beispiel Äthiopien” (BR/55 Min.).

Voller Eindrücke, Bilder, Gerüche und gehörter Geschichten, die mich zutiefst berührt, und die mich nie mehr losgelassen haben, kehrte ich mit einer Vision nach Deutschland zurück, nämlich der, dass ich eines Tages eine eigene Organisation gründen würde.

Welchen Weg diese einschlagen würde und gegebenenfalls in welchem Land sie zum Einsatz kommen sollte, war zu dem damaligen Zeitpunkt noch völlig offen, und hat sich erst im Laufe nachfolgender Reisen für weitere Rundfunk-Reportagen ergeben.

Es waren die vielen Begegnungen gerade mit Mädchen und Frauen auf meinen Reisen, durch die mir bald klar wurde, dass sie bei weitem die benachteiligten Menschen auf dieser Welt sind.

Ihnen sollte mehr Beachtung zukommen. Für ihre Belange wollte ich mich einsetzen, und suchte Mitstreiterinnen, die bereit waren, mit mir einen Verein zu gründen. Es sollte etwas richtig “Offizielles” werden.

Der Begriff “Wunschträume” tauchte vor meinen Augen auf. Denn nahezu alle Mädchen und Frauen, die ich auf meinen Reisen interviewt habe, erzählten irgendwann von ihren “Wunschträumen”.

Sie werden sich nicht alle verwirklichen lassen, aber dass ein Teil Realität werden kann, dazu wollte ich beitragen.

Um Projekte unterstützen zu können, benötigt man zum einen natürlich Geld, also Spender, und diese Spender sollten dann auch Spendenbescheinigungen bekommen. Zum anderen sollte/müsste Öffentlichkeitsarbeit betrieben werden (das finde ich heute fast mit am schwierigsten).

Kurz und gut: am 12. September 2003 fand in München die Gründungssitzung von Wunschträume/Netzwerk für Mädchen- & Frauenprojekte e.V. statt, zu dessen 1. Vorsitzenden ich gewählt wurde. Seit dem 21. Januar 2004 sind wir beim Vereinsregister des Amtsgerichts München als eingetragener Verein registriert (Nummer: VR 18314). Beim Finanzamt München für Körperschaften haben wir die Steuernummer 143/224/60660.

Mit drei festen, längerfristigen Projekten gingen wir an den Start: CareCo – auf der kleinen Insel Rodrigues, der Wend-Raabo-Schule in Burkina Faso und der Ausbildung von 4 Mädchen in der Pallotti-Schule in Tansania.

Kurzfristige, einmalige Unterstützung leisteten wir unter anderem zur Fistula-Behandlung von 50 jungen Frauen in einem Behindertenkrankenhaus in Dar-es-Salaam/Tansania, zur Bekämpfung von weiblicher Genitalbeschneidung im Ogaden an Forward Germany, für ein Trauma-Bewältigungsprojekt in Sri Lanka nach dem Tsunami, Mutter Maria in Puma/Tansania, und in 2007 für ein Projekt der CBM nach der Überschwemmung in Indien/Bangladesch.

Seit April 2006 unterstützen wir eine Migrantinnengruppe in der Seidlvilla München.

Seit März 2007 wird eine Kranken- und Sozialstation in Pétessiro/Burkina Faso gebaut. Die Dispensaire/die Notfallstation wurde am 6. Februar 2008 eingeweiht. Derzeit ist die Maternité/die Geburts- und Mutter-Kind-Station in Bau und für den Brunnen für die Krankenstation fand am 22. Juli 2009 in München ein Benefizkonzert statt. Der LIVE-Mitschnitt ist ab Anfang November auf CD käuflich zu erwerben.

In 2008 wurde in Youba/ebenfalls Burkina Faso eine Krankenstation mit Solarenergie elektrifiziert. Zurzeit entsteht dort ein Ausbildungszentrum für Frauen.

Auch ich habe Wunschträume, bzw. Ziele, die ich mit dem Netzwerk umsetzen, respektive erreichen möchte:

Wunschträume/Netzwerk für Mädchen- & Frauenprojekte e.V. ist ein kleiner engagierter Personenkreis, der als gemeinnütziger Verein gezielt humanitäre Hilfe möglich macht. Wir engagieren uns insbesondere für Mädchen- und Frauenprojekte, die alleine kaum eine Chance hätten, einer größeren Öffentlichkeit bekannt zu werden. Häufig sind es aber gerade diese kleinen und kleinsten Projekte, die so viel zum Positiven verändern können.

Für diese Projekte die ‘Werbetrommel’ zu rühren, immer wieder über sie zu berichten, auch zu versuchen sie untereinander zu vernetzen, und auf diese Weise ein großes Netz-Werk aufzubauen – darin sehe ich meine Aufgabe.

Erwähnenswert an dieser Stelle: Katrin Rohde von AMPO und Sidiki Belem (der Projektleiter und Direktor unserer Wend Raabo Schule) sind im April dieses Jahres offiziell eine Partnerschaft in Ouagadougou eingegangen und wollen sich, wo immer das möglich ist, gegenseitig unterstützen.

In vielen Ländern der Erde können über die Hälfte der Frauen weder lesen noch schreiben. Ohne grundlegende Bildung aber ist Entwicklung nicht möglich, und ohne das Potential der Frauen können viele Länder die Armut nicht überwinden. Daher ist es eines unserer wichtigsten Ziele, Mädchen und Frauen zu mehr Bildung zu verhelfen, ihnen einen Schulbesuch oder eine Ausbildung zu ermöglichen und Aufklärung zu so wichtigen Themen wie Hygiene, Ernährung, Familienplanung, Beschneidung, HIV/AIDS u.v.m. anzubieten. Kann doch letztlich erst über die Bildung und Ausbildung der Teufelskreis Hunger, Armut, Arbeitslosigkeit  durchbrochen werden.

Wunschträume/Netzwerk für Mädchen- & Frauenprojekte e.V. arbeitet nach Möglichkeit mit regierungsunabhängigen ‘Vor-Ort-Projektpartnern’ (NGO’s) zusammen, denn sie kennen die Gepflogenheiten des Landes, sprechen die Sprache.

Wunschträume/Netzwerk für Mädchen- & Frauenprojekte e.V. bietet finanzielle Unterstützung und kontrolliert, dass die zur Verfügung gestellten Gelder projektbezogen ausgegeben und abgerechnet werden.

Mein ganz persönlicher Wunschtraum: So viel wie möglich zu lernen, um mit Wunschträume/Netzwerk für Mädchen- & Frauenprojekte e.V. viele Menschen zu erreichen. Zum einen immer genügend Spender, die es ermöglichen, viele Projekte zu fördern, und zum anderen viele Mädchen und Frauen, die durch unsere Hilfe profitieren, denen wir Perspektiven aufzeigen und damit zu einer besseren Zukunft verhelfen können.