Burkina Faso

Landesinformation zu Burkina Faso

“Land der Aufrichtigen”

 

Burkina Faso – oder Obervolta, wie es bis 1984 hieß – liegt in Westafrika und grenzt im Westen und Nordwesten an Mali, im Osten an Niger und im Süden an Benin, Togo, Ghana und an die Elfenbeinküste. Die Fläche des Landes beträgt ca. 274.200 km2 (etwa ¾ der BRD).

Das Land hat ca. 19 Mio. Einwohner (Stand 2015). Die Hauptstadt Ouagadougou ist mit ca. 1.3 Mio. Einwohnern die größte Stadt des Landes. Zweitgrößte Stadt ist Bobo-Dioulasso (ca. 600.000 Einwohner) im Südwesten, gefolgt von Koudougou; Ouahigouya, Banfora und Kaya.

In Burkina Faso leben an die 60 verschiedene Bevölkerungsgruppen unterschiedlicher Kultur und Sprache konfliktfrei miteinander. Die Mossi stellen mit ihrer Muttersprache Moore knapp 50 % der Gesamtbevölkerung. Amtssprache ist Französisch. Etwa 80 % der Bevölkerung sind Analphabeten.

Mit 60,5 % sind über die Hälfte der Burkinabé Muslime, die ihre Religion jedoch völlig undogmatisch leben und noch immer Elemente der traditionellen Religionen einbeziehen.

Die Zahl der Christen wird mit ca. 23 % angegeben. Die übrigen Bewohner des Landes sind Anhänger von Naturreligionen.

Sowohl in der Theorie als auch in der Praxis besteht die Freiheit der Religionswahl und -ausübung, und auch im alltäglichen Zusammenleben gibt es keine Probleme.

Burkina Faso hat tropisches Wechselklima, das durch den westafrikanischen Monsun und den Passatwindes Harmattan beeinflusst wird. Dadurch gibt es eine ausgeprägte Trocken- und Regenzeit.

25 % der Landesfläche liegt in der Sahelzone und ist von Trockenheit geprägt. Die Regenzeit kann kürzer als zwei Monate ausfallen.

Die Hälfte des Landes unterliegt dem sogenannten Sudan-Sahel-Klima, das vier bis fünf Monate Regenzeit hat.

Im Süden beträgt die Regenzeit ca. sechs Monate.

Die Durchschnittstemperaturen betragen 25°C bis 30°C, Höchsttemperaturen von über 40°C sind keine Seltenheit.

Die heißesten Monate sind März und April, Januar und Dezember die kältesten.

In der Regenzeit strömen feuchtwarme Winde aus Südwest über das Land, im Winter bringt der trockenheiße Harmattan Sand und Staub aus der Sahara. Extreme Klimaerscheinungen wie große Dürre und Überschwemmungen haben in den vergangenen Jahrzehnten  stark zugenommen.

Am 05. August 1960 wurde Obervolta von Frankreich unabhängig. Die Umbenennung in Burkina Faso erfolgte 1984 durch den sozialistisch orientierten Präsidenten Thomas Sankara, der 1983 – nach Jahren politischer Instabilität – durch einen Staatsstreich an die Macht kam.

Durch einen Putsch im Jahr 1987 (in dessen Verlauf Thomas Sankara erschossen wurde) wurde Blaise Compaoré neuer Präsident Burkina Fasos.

Seit Beginn der Unabhängigkeit 1960 wurde das Land die längste Zeit von Präsidenten regiert, die sich mit Hilfe des Militärs an die Macht putschten. Das gilt auch für Blaise Compaoré. Eine geplante Verfassungsänderung, die ihm eine fünfte Amtszeit ermöglichen sollte, führte Anfang 2014 zu heftigen Demonstrationen. Die darauf folgenden Massenproteste führten zu einer Intervention des Militärs, welches das Parlament auflösen ließ, die Regierung absetzte und Compaoré zum Rücktritt zwang. Die nachfolgende Übergangsregierung unter der Führung von Michel Kafando war auf ein Jahr festgelegt worden. Anschließend sollten Neuwahlen stattfinden, die eine Rückkehr zur demokratischen Ordnung ermöglichen sollten. Als Termin war der 11. Oktober 2015 vorgesehen. Mitte September 2015 erhob sich die Präsidentengarde (die als persönliches Machtinstrument Compaorés aufgebaut worden war), deren Auflösung vorgesehen war, und setzte die Staatsführung ab. Der Putsch scheiterte nach einer Woche, in der Folge wurde der Wahltermin schließlich auf den 29. November 2015 festgelegt.

Bei den Präsidentschaftswahlen errang der katholische Oppositionspolitiker und früherer Regierungschef  Roch Marc Kaboré  53,49 % der Stimmen.  Die Wahlbeteiligung lag bei rund 60 %.

In dem bitterarmen Land mit seinen knapp 20 Millionen Einwohnern ist nun die Hoffnung auf eine längere Phase der Demokratie groß.

Die Geburtenrate lag 2014 bei 5,9 und die Kindersterblichkeit bei 204 von 1000 Geburten. Die Lebenserwartung der Frauen lag 2014 bei 56,9 Jahren und die der Männer bei 52,8. Das Bevölkerungswachstum beträgt etwa 3 %. 2011 beliefen sich die Ausgaben der Regierung für die öffentliche Gesundheit auf 6,5 % des Bruttoinlandsprodukts. 2010 schätzte man, dass auf einen Arzt ca. 20.000 Einwohner kommen.

Der Zugang zu Trinkwasser ist begrenzt. Der Großteil der Bevölkerung versorgt sich über öffentliche Wasserzapfstellen. Landesweit ist die Trinkwasserversorgung nicht gesichert, ebenso wenig die Versorgung mit Nahrungsmitteln. Es existiert eine erhebliche Unterernährung der Bevölkerung, die auch abhängig von den Niederschlägen und den daraus resultierenden Ernten ist.

Es gibt immer Regionen, die von Dürre betroffen sind. 2004 gab es eine verheerende Heuschreckenplage.

Die medizinische Versorgung, besonders auf dem Land liegt sehr im Argen.

Gesundheitsversorgung in Burkina Faso ist hierarchisch, in mehreren Stufen, strukturiert. Basisversorgung leisten nur die ersten beiden Ebenen:

  • PSP = Poste de Santé Primaire (Sanitätsposten)
  • CSPS = Centre de Santé et de Promotion Sociale  (Kleinspital und Geburtsstation)
  • CM = Centre Médical
  • CMA = Centre Médical avec Antenne Chirurgicale
  • CHR = Centre Hospitalier Regional
  • CHN = Centre Hospitalier National

Der PSP versorgt eine kleine Gemeinde mit den nötigsten Behandlungen, insbesondere Wundversorgung und Behandlung bei Infektionskrankheiten.

Im CSPS werden schwerere Fälle und v.a. Geburten, teilweise auch stationär, betreut.

Ein Centre Médical versorgt bereits eine Kleinstadt, verfügt über einen Arzt und mitunter einen Operationssaal (Antenne Chirurgicale).

Centres Hospitalier sind nur in großen Städten zu finden und ständig überfüllt.

Patienten werden je nach Schwere der Krankheit an die jeweils höhere Institution weitergeleitet – soweit die Theorie.

In der Realität, besonders auf dem Land, sieht es anders aus:

In den wenigsten Gemeinden kann ein PSP existieren da die Versorgung mit Medikamenten nicht sichergestellt ist und sich selten ein freiwilliger Helfer findet, der Patienten unentgeltlich behandelt. Die nächste medizinische Einrichtung ist oft mehr als eine Tagesreise entfernt und die Behandlung auch durch die Transportkosten unerschwinglich.

Auch Dispensaires (= die allgemeinmedizinischen Einheiten eines CSPS) kämpfen mit diesem Problem. Während das Personal für Dispensaire und Maternité vom Staat ausgebildet und bezahlt wird, mangelt es an grundlegender Ausstattung und an Verbrauchsmaterial. In den seltensten Fällen gibt es eine Apotheke, elementare Medikamente fehlen.

Burkina Faso gehört zu den zehn ärmsten Ländern der Welt. Kindersterblichkeit, Analphabetismus, Mangelernährung und die Rechtslosigkeit von Frauen und Mädchen gehören zum Alltag des westafrikanischen Landes. Das Ausmaß der Armut in der Bevölkerung ist gravierend.

Hier finden Sie eine  Dokumentation des Bayerischen Rundfunks über Burkina Faso.